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Enzephalitis

Entzündung im Gehirn: die Enzephalitis

Kommt es zu Entzündungen im zentralen Nervensystem kann unterschiedliches Gewebe betroffen sein. Allgemein wird unterschieden in:

  • Enzephalitis: die Entzündung des Gehirn-Gewebes
  • Meningitis: die Entzündung der Hirnhäute

Auch eine Kombination beider Formen ist möglich, dann spricht man von einer Meningoenzephalitis. Beide Erkrankungen können sowohl akut, als auch chronisch verlaufend auftreten.

Spricht man von einer Enzephalitis, ist meistens die Entzündung des Großhirns (Cerebrum) gemeint. Es können jedoch auch andere Teile des Gehirns entzündet sein, wie beispielsweise das Kleinhirngewebe (Cerebellitis) oder der Hirnstamm (Hirnstammenzephalitis). Eine Sonderform unter den Enzephalitis Erkrankungen nimmt die Multiple Sklerose ein, die eine Form der chronischen Entzündung des gesamten Gehirns in Kombination mit dem Rückenmark darstellt.

Infektionen und Angriff aus dem eigenen Körper: Ursachen der Enzephalitis

Die Ursachen für eine Enzephalitis können drei großen Gruppen untergeordnet werden:

  • Viren:
    • Viren sind die häufigste Ursache für eine Enzephalitis. Sie sind für 1,5-7 Fälle pro 100.000 Einwohner verantwortlich. Zu den häufigsten Viren, die eine Enzephalitis auslösen, gehören unter anderem Herpesviren, das FSME-Virus, Mumps- und Masernviren sowie das japanische Enzephalitis Virus
  • Bakterien:
    • Die Enzephalitis durch Bakterien ist seltener. Meistens ist sie Folge einer bakteriellen Erkrankung, die sich zunächst außerhalb des zentralen Nervensystems ausbreitet und erst im Verlauf zu einer Entzündung des Gehirns führt. Beispiele sind unter anderem die Neurosyphilis, die Neuroborreliose oder die Listerienenzephalitis
  • Autoimmunerkrankung
    • Auch autoimmun wirksame Antikörper können eine Entzündung des Hirngewebes bewirken. Diese Autoimmunantikörper können zum Teil mit Tumoren assoziiert sein, können aber auch eigenständig auftreten.

Seltener können auch Pilze oder Würmer eine Enzephalitis verursachen. Inwieweit man bei einer Enzephalitis ansteckbar ist, hängt vom zugrundeliegenden Erreger ab. Ist ein Kontakt mit einer an Enzephalitis erkrankten Person erfolgt, sollte der Erreger in Erfahrung gebracht werden und das persönliche Risiko einer Ansteckung von einem Arzt evaluiert werden.

 

 

Ganz schön vielseitig: Symptome der Enzephalitis

Die Symptome einer Entzündung des Hirngewebes können verschiedene Allgemeinsymptome sowie psychiatrische bzw. neurologische Defizite bzw. Ausfälle darstellen. Individuell können diese sich in einem Zeitraum von Tagen bis Monaten zeitgleich oder zeitlich versetzt entwickeln. Welche Symptome genau auftreten, hängt von der Lokalisation und Größe des betroffenen Gehirngewebes ab. Auch die Ursache der Enzephalitis hat Einfluss auf die Klinik.

Zu den Symptomen, die am häufigsten auftreten können gehören unter anderem:

  • Allgemeine Symptome einer Enzephalitis
    • Zu diesen gehören ein allgemeines Krankheitsgefühl, das von Fieber, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen begleitet sein kann
  • Bewusstseinsstörungen
    • Zu diesen gehören vor allem die Minderung der Wachheit und Aufmerksamkeit
  • Psychologische Auffälligkeiten
    • Zu diesen gehören unter anderem Halluzinationen, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Orientierungsstörungen und Denkstörungen. Ebenfalls kann sich ein sogenanntes Delir entwickeln, bei denen es zu einem Wahnzustand mit einer emotionalen Verstimmung, Angstgefühlen und Wahrnehmungsstörungen kommen kann
  • Neurologische Symptome
    • Hierzu gehören unter anderem Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Bewegungsstörungen Lähmungen der Arme oder Beine, epileptische Anfälle und Sprachstörungen

Trotz einer frühen Therapieeinleitung kann es vorkommen, dass dauerhafte Folgen einer Infektion bestehen bleiben können. Zu diesen gehören eine bleibende Seh- oder Hörschwäche, Konzentrationsprobleme oder Gedächtnisstörungen. Auch Sprachprobleme oder bleibende Störung der Motorik sind nach überstandener Enzephalitis möglich.

Bei sehr schweren Verläufen kann es ebenfalls zur Bildung von Hirnblutungen oder Hirnabzessen kommen, die unter Umständen tödlich enden können.

Von Innen und Außen: Diagnostik der Enzephalitis

Besteht aufgrund der klinischen Symptomatik der Verdacht auf das Vorliegen einer Enzephalitis folgen mehrere Untersuchungen zur Bestätigung. Zunächst folgt die körperliche Untersuchung zu der auch eine neurologische Untersuchung gehört. Weiterhin wird meist Blut und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) entnommen, die auf das Vorliegen einer Entzündung hinweisen können.

Als Bildgebung ist bei einer Enzephalitis das MRT des Schädels Mittel der Wahl. Im Gegensatz zu einer CT-Untersuchung kann bereits nach 24 Stunden eine Veränderung, die mit einer Entzündung einhergehen nachgewiesen werden.

Ist eine MRT Untersuchung nicht möglich, sollte eine CT-Untersuchung erfolgen. Hier gilt jedoch zu beachten, dass der Nachweis einer Entzündung erst nach 3 Tagen möglich ist.

Ergänzend zur Bildgebung kann auch eine Ableitung der Hirnströme (EEG) erfolgen, bei der eine Verlangsamung in den betroffenen Gehirnabschnitten nachgewiesen werden kann.

An allen Fronten: die Therapie der Enzephalitis

Eine Enzephalitis sollte in jedem Falle stationär behandelt werden. Zu den allgemeinen Maßnahmen gehört Bettruhe, Mittel gegen Fiebersenkung, die intravenöse Flüssigkeitsgabe sowie eine passende Schmerztherapie. In schweren Fällen erfolgt die Überwachung auf einer Intensivstation.

Je nach Ursache der Enzephalitis kommen weitere Therapieformen zum Einsatz. Gegen bestimmte Virusformen werden antivirale Mittel gegeben. Bei einer bakteriellen Ursache erhalten Betroffene Antibiotika.

Ist die Ursache eine Autoimmunerkrankung wird zusätzlich mit Kortison behandelt. Ebenfalls kann über eine Dialyse oder die Gabe von Immunglobulinen eine Therapie erfolgen.

Am wirksamsten gegen eine Enzephalitis sind jedoch vorbeugende Maßnahmen. Zu diesen gehört unter anderem Impfungen gegen Viren, wie beispielsweise Masern, Mumps, Röteln, FSME oder Influenza, die eine Enzephalitis auslösen können. Um einer Enzephalitis, die durch Borrelien ausgelöst wird vorzubeugen, ist es ratsam sich nach einem Ausflug in die Natur auf Zecken zu untersuchen.

Quellen

Referenzen:

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