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Morbus Parkinson

Letzte Aktualisierung: 02/02/24

Morbus Parkinson Frau

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland leiden rund 220.000 Menschen daran (1) und weltweit hat sich die Zahl der Parkinson-Patienten von 2,5 Millionen im Jahr 1990 auf etwa 6,1 Millionen im Jahr 2016 erhöht (2).

Der Hauptgrund hierfür: der demographische Wandel. Die Bevölkerung wird immer älter und damit treten auch Erkrankungen, die überwiegend alternde Menschen betreffen, häufiger auf. Weltweit ist daher bis 2030 mit einer Verdopplung der Parkinson-Prävalenz zu rechnen (3).

Die Parkinson-Krankheit ist also trotz des wissenschaftlichen Fortschritts nach wie vor ein in Gegenwart und Zukunft mehr als relevantes medizinisches Thema. Doch wie kommt es überhaupt zu den Beschwerden bei Morbus Parkinson? Welche Risikofaktoren spielen eine Rolle? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Hier erfahren Sie mehr.

Morbus Parkinson Herr

Verständigungsproblem im Gehirn – der Dopaminmangel bei Morbus Parkinson

Unsere Nervenzellen kommunizieren im Gehirn über verschiedene Botenstoffe miteinander. Einer davon ist Dopamin, das insbesondere dafür zuständig ist, bei der Abstimmung von Bewegungen unserer Muskeln entscheidende Signale weiterzuleiten. Das Dopamin wird von speziellen Nervenzellen in der Substantia nigra im Mittelhirn produziert. Doch bei der Parkinson-Krankheit sterben genau diese Gehirnzellen nach und nach ab, was zu einem Dopaminmangel im Gehirn führt.

Die Folge ist ein Ungleichgewicht der Botenstoffe, das die typischen Symptome der Parkinson-Krankheit bedingt: Ohne Dopamin können die Nervenzellen die Bewegungsabläufe nicht mehr richtig absprechen, was die Bewegung der Muskeln immer mehr erschwert.

In den betroffenen Zellen lagern sich Verklumpungen des Eiweißmoleküls Alpha-Synuklein ab und bilden die sogenannten Lewy-Körperchen. Dieser Prozess wird als Ursache für den neurodegenerativen Prozess diskutiert.

Ätiologisch lassen sich die Parkinson-Syndrome in vier Gruppen unterteilen.

  1. Die genaue Ursache für die Ablagerungen und den Zelltod bei der Parkinson-Krankheit ist für rund 75% der Fälle noch nicht eindeutig nachgewiesen. Daher spricht man hier von einem idiopathischen Parkinson-Syndrom.
  2. Genetische Formen des Parkinson-Syndroms: Inzwischen sind auch zahlreiche vererbbare monogenetische Defekte bekannt, die zum Untergang dopaminerger Nervenzellen führen.
  3. Lassen sich die Beschwerden als Folge anderer neurodegenerativer Erkrankungen erklären, spricht man von einem atypischen Parkinson-Syndrom.
  4. Verschiedene Medikamente, Vergiftungen oder bestimmte Erkrankungen können ebenfalls typische Parkinson-Symptome hervorrufen – das sogenannte sekundäre Parkinson-Syndrom.

Diese Beschwerden ruft Morbus Parkinson hervor

Parkinson wird meist zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr diagnostiziert, bei 10 Prozent der Patienten sogar vor dem 40. Lebensjahr. Die Erkrankung entwickelt sich in der Regel schleichend. Meist gehen der objektiven Manifestation jahrelange Veränderungen der betroffenen Nervenabschnitte voraus.

Kennzeichnend für Morbus Parkinson sind die vier Kardinalsymptome:

  • Akinesie
  • Rigor
  • Ruhetremor
  • Posturale Instabilität

Aufgrund des Dopaminmangels und der fehlenden Abstimmung der Bewegungsabläufe, treten bei Betroffenen umfassende motorische Einschränkungen auf. Sie bewegen sich zunehmend langsam und die Muskelbewegungen werden insgesamt kleiner. Erkrankte haben ein typisches Stand- und Gangbild: Ellenbogen-, Knie- und Hüftgelenke sind gebeugt, ebenso wie der gesamte Rumpf leicht nach vorne gebeugt ist.

Betroffene laufen mit Trippelschritten, die Arme befinden sich eng am Körper und schwingen weniger mit. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung zu beginnen, aber auch das Abbremsen dauert länger. Abgesehen von den Auffälligkeiten beim Gehen und Stehen wird auch die Schrift immer kleiner, das Gesicht ausdrucksloser, die Stimme leiser und monoton und es bestehen Schluckbeschwerden. Diese generelle Bewegungsarmut bezeichnet man als Akinesie, bei Krankheitsbeginn ist meist nur eine Körperseite betroffen.

Eine weitere wichtige Auffälligkeit sind übermäßig angespannte Muskeln (Rigor). Vor allem die Arme, die Beine und der Hals können dauerhaft versteift sein, sodass sie sich passiv – also durch eine zweite Person – meist nur gegen einen starken Widerstand oder gar nicht bewegen lassen.

Bei den meisten Menschen mit Parkinson-Krankheit tritt außerdem ein Muskelzittern in Ruhe (Ruhetremor) auf. Besonders häufig zittern die Hände, was ebenfalls die Schrift sowie viele weitere Alltagsaktivitäten beeinträchtigt.

Darüber hinaus treten beim Morbus-Parkinson aber auch nicht-motorische Symptome auf. Hierzu zählen:

  • Empfindungsstörungen wie Schmerzen in Muskeln und Gelenken, ein fehlender Geruchssinn sowie Taubheitsgefühle
  • Beeinträchtigungen vegetativer Körperfunktionen (z.B. Blutdruck- und Temperaturregulation, Blasenentleerungsstörung, Obstipation, sexuelle Funktionsstörungen)
  • Schlafstörungen
  • neuropsychiatrische Symptome wie depressive Verstimmung, Angststörungen, Apathie, die auch in Persönlichkeitsveränderungen resultieren können
  • Vergesslichkeit, Erinnerungslücken und verminderte Aufmerksamkeit

Die Erkrankung verläuft von Patient zu Patient unterschiedlich. Meist nehmen die Beschwerden langsam über die Jahre zu.

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So wird Morbus Parkinson festgestellt

Da bis heute weder Tests auf bestimmte Blutparameter noch bildgebende Untersuchungen zur Früherkennung des Parkinson-Syndroms etabliert sind, wird die Diagnose in der Regel klinisch gestellt. Dementsprechend kommen der individuellen Krankengeschichte und einer ausführlichen neurologischen Untersuchung besondere Bedeutung zu. Aus den Symptomen und Auffälligkeiten bei der Untersuchung kann der Neurologe bzw. Untersucher meist schon wichtige Rückschlüsse auf die zugrundeliegende Erkrankung ziehen.

Hierfür werden die Reflexe, sowie die Empfindlichkeit beispielsweise gegenüber Schmerz oder Druck und die Beweglichkeit getestet. Hier können sich unter anderem bereits erste Hinweise auf eine erhöhte Anspannung der Muskeln ergeben. Zusätzlich wird eine Gangprüfung sowie eine Testung der sogenannten Diadochokinese, der Fähigkeit, rasch aufeinanderfolgende antagonistische Willkürbewegungen durchzuführen, vorgenommen.

Um außerdem auszuschließen, dass andere Gründe – wie ein Normaldruckhydrozephalus oder eine subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie – für die neurologischen Beschwerden verantwortlich sind, wird Ihr behandelnder Arzt bei der Erstdiagnose ein MRT oder ein CT des Kopfes veranlassen.

Ergibt sich bei diesen Untersuchungen ein Verdacht auf ein Parkinson-Syndrom, kann die Diagnosestellung schließlich mit dem sogenannten L-Dopa-Test unterstützt werden. Hierfür wird das Parkinson-Medikament L-Dopa eingenommen und anschließend beobachtet, ob sich die Beschwerden darunter bessern.  Ein positiver Test stützt, beweist aber jedoch nicht das Vorliegen eines Parkinson-Syndroms.

Mit speziellen nuklearmedizinischen Untersuchungen, kann außerdem der Dopaminmangel visualisiert werden. Mittels des sogenannten DaTSCAN – einer Dopamin-Transporter-Szintigraphie – lassen sich die dopaminergen Bahnen darstellen. Über eine Dopamin-D2-Szinitgrafie, die IBZM-SPECT-Untersuchung, kann zusätzlich die Dopamin-Rezeptordichte im Striatum bestimmt werden.

Verlustausgleich: Die Behandlung des Dopaminmangels

Morbus Parkinson schreitet stetig voran und ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht kausal heilbar. Daher richtet sich die Behandlung nach den Beschwerden. Im Anfangsstadium, wenn die Beschwerden noch nicht übermäßig beeinträchtigend sind, ist unter Umständen noch keine spezifische Behandlung notwendig. Schreitet die Erkrankung fort, können Medikamente helfen, den Dopaminmangel auszugleichen.

Hierfür stehen verschiedene Kategorien von Medikamenten zur Verfügung. Welches am besten geeignet ist, ist immer eine Einzelfallentscheidung unter anderem vom Alter, der Krankheitsdauer und der individuellen Symptomatik abhängig. Meist wird mit einer Monotherapie aus einem Präparat begonnen.

Nach mehreren Jahren lässt die Wirkung der Medikamente allerdings oftmals nach, sodass das Behandlungsschema angepasst werden sollte. Hierfür kann zunächst die Dosis der Monotherapie bis zum Maximum gesteigert werden. Halten die Beschwerden dennoch an, können verschiedene Medikamente auch miteinander kombiniert werden. Um eine gleichmäßigere Wirkung im Tagesverlauf zu erzielen und orale Medikamente einzusparen, kann auch eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden. Diese gibt den Wirkstoff als Infusion entweder unter die Haut oder direkt in den Dünndarm ab.

Wenn all diese Maßnahmen keine ausreichende Symptomkontrolle bringen, kann ein operativer Eingriff in Frage kommen: Die sogenannte Tiefe Hirnstimulation. Hierfür werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns eingesetzt, die anschließend von außen angesteuert werden können und so elektrische Reize abgeben, die die Muskelaktivität beeinflussen.

Die Parkinson-Krankheit ist nicht tödlich, kann sich jedoch auf den Alltag und viele Lebensbereiche maßgeblich auswirken. Bei rechtzeitiger Erkennung und guter Therapie ist die Lebenserwartung jedoch nicht deutlich verkürzt.

Quellen