Sprache
[wpml_language_selector_widget][/wpml_language_selector_widget]

Achillessehnenriss - Was nun?

Die Achillessehne stellt die Verbindung der Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein dar. Falsche Bewegungen oder eine Überlastung können die Achillessehne reizen oder entzünden. Wird die Achillessehne kontinuierlich zu stark überlastet, kann es zu einem Achillessehnenriss kommen.

Ein Riss der Achillessehne stellt keine seltene Erkrankung dar. Im Durchschnitt ziehen sich 15.000 bis 20.000 Menschen jährlich einen Achillessehnenriss zu. Diese Art der Verletzung zeigt sich verstärkt im Breiten- und Freizeitsport. Ein typischer Altersbereich liegt hierbei zwischen 20 bis 50 Jahren. Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren sind siebenmal häufiger betroffen als Frauen.1

Ursachen eines Achillessehnenriss

Die Verbindung, die zwischen Wadenmuskulatur und Ferse hergestellt wird, geschieht über die Achillessehne. Diese Sehne ermöglicht es uns, den Fuß zu bewegen, zu kreisen oder auf den Zehen zu stehen. Sie ist daher von großer Wichtigkeit beim Abrollen des Fußes, wie zum Beispiel beim Gehen, Laufen oder Springen.

Sehr häufig tritt ein Achillessehnenriss im Sportbereich auf. Sportarten wie Turnen, Badminton, Squash, aber auch Tennis, Volleyball oder Fußball sind gefährdend. Grund hierfür können starke Abbremsbewegungen, Sprünge oder schnelle Richtungswechsel sein.

Gut zu wissen ist hierbei, dass die Achillessehne meist erst reißt, wenn sie vorgeschädigt ist. Das heißt, wenn die Achillessehne bereits kleine Schäden vorzuweisen hat. Diese degenerativen Vorschädigungen betreffen oftmals die Kollagenbündel, die die Grundsubstanz der Sehne darstellen. Kleine Verletzungen können hierbei die Blutversorgung des Gewebes stören. Im Laufe der Zeit führen die Schädigungen zu einem Abbau der Kollagenfasern. Bauen sich diese ab, reduziert sich auch die Festigkeit der Sehne. Sie kann reißen.

Achillessehnenriss

Risikofaktoren für Achillessehnenriss

Trotz der hohen Belastbarkeit kann die Achillessehne reißen. Verschiedene Faktoren können das Risiko erhöhen, hierzu zählen:

  • Fehlstellung der Füße (Knick-Senkfuß oder Hohlfuß)
  • Ungleiche Beinlängen
  • Unpassende Laufschuhe
  • Zu hohe Belastung beim Training
  • Bereits bestehende Verletzungen der Bänder am Sprunggelenk
  • Vorheriges Umknicken mit dem Fuß
  • Verkrümmungen der Wirbelsäule
  • Muskuläres Ungleichgewicht
  • Männliches Geschlecht
  • Alter: 30-50 Jahre
  • Diabetes mellitus
  • Arthritis
  • Gicht
  • Übergewicht

Symptome bei einem Achillessehnenriss

Ein Achillessehnenriss ist eine Verletzung, die man selten überhören und im Grunde sofort erahnen kann: Der Riss kündigt sich durch einen sogenannten „lauten Knall“ an. Dieser ähnelt einem Peitschenhieb. Zusätzlich und plötzlich starke stechende Schmerzen in der Wade sind zudem kein seltenes Begleitzeichen. Aber auch eine blaue Verfärbung und Schwellungen, z. B. im unteren Teil der Wade oder auf der Rückseite des Sprunggelenks, können ein Hinweis sein.

Ist die Achillessehne gerissen, ist der Betroffene nicht mehr in der Lage, das Sprunggelenk aktiv zu beugen. Grund hierfür ist die verloren gegangene Verbindung zwischen Wade und Fersenbein. Ein Stehen auf Zehenspitzen ist in dem betroffenen Bein nicht mehr möglich. Auch das natürliche Abrollen des Fußes beim Gehen wird verhindert. Nicht selten hängt beim Anheben des Beines sogar die Fußspitze herunter.

Erste Hilfe Maßnahmen bei Verdacht auf Achillessehnenriss

Damit die Verletzung gut ausheilen kann, ist eine frühzeitige ärztliche Behandlung sehr wichtig. Ist die Achillessehne gerissen, gilt sofortige Schonung und Unterbrechung der Tätigkeit. Zudem sollten sofort Erste Hilfe Maßnahmen ergriffen werden, bis ein Arzt die Verletzung untersuchen kann. Hierzu zählen eine Behandlung mit Eis im Bereich der Ferse und eine Abstützung beim Gehen.

Wie so oft bei Sportverletzungen gilt die Devise des PECH-Schemas:

  • Pause
  • Eis
  • Compression
  • Hochlagern

Diagnose des Achillessehnenriss

Im Rahmen der Untersuchung führt der Arzt neben einer Anamnese auch direkt eine klinische Untersuchung durch und veranlasst eine radiologische Diagnostik. Dieses strategische Vorgehen hilft dabei, Schmerzen in der Achillessehne genauer differenzieren zu können.

Klinische Untersuchung

Um die Diagnose eines Achillessehnenrisses zu sichern, lässt der Arzt den Betroffenen auf Zehenspitzen stellen. Dadurch, dass die Wadenmuskulatur und Ferse jedoch nicht mehr miteinander verbunden sind, kann die biomechanische Funktion der Achillessehne nicht mehr durchgeführt werden. Das heißt, der Betroffene kann diese Aufgabe nicht durchführen.

Eine weitere Untersuchung des Betroffenen erfolgt in Bauchlage. Hierbei sollen beide Füße von der Liege herabhängen. Der Arzt beurteilt in diesem Zuge, ob ein Fuß verstärkt hängt, sich eine Delle im Bereich der Achillessehne gebildet hat und ob diese trotz Blaufärbung (i. S. eines Hämatoms) noch zu tasten ist.

Zusätzlich kann der Arzt noch zwei Tests durchführen: den Thompson-Test und den Matles-Test.

  • Bei dem Thompson-Test wird die Wadenmuskulatur des Patienten zusammengedrückt. Das kann entweder im Knien oder auf dem Bauch liegend durchgeführt werden. Ist die Achillessehne noch intakt, wird eine Beugung der Zehen zu der Fußsohle (Plantarflexion) provoziert. Wenn diese mechanische Bewegung nicht ausgelöst werden kann, ist der Test positiv.
  • Bei dem Matles-Test wird der Betroffene ebenfalls in Bauchlage untersucht, in diesem Falle werden jedoch die Knie um 90 Grad angewinkelt. Die normale Reaktion wäre auch in diesem Falle eine Beugung der Zehen zu der Fußsohle (Plantarflexion). Ist dies nicht möglich beziehungsweise verfällt der Fuß im oberen Sprunggelenk in Neutralstellung, ist der Matles-Test positiv.

Bildgebung

Bildgebende Verfahren, wie das Röntgen oder die Sonographie sind bei einem Achillessehnenriss Mittel der ersten Wahl. Sie ermöglichen es, knöcherne Abrisse der Achillessehne auszuschließen oder Verkalkungen zu beurteilen. Die Sonographie dient zu dem zur Abgrenzung möglicher Differentialdiagnosen.

Bestehen trotz des Röntgens oder Sonographie Zweifel an der Diagnose beziehungsweise liegt der Verdacht einer chronischen Achillessehnenruptur so kann die Magnetresonanztomographie dabei helfen, den Riss genau zu lokalisieren.

Behandlung eines Achillessehnenriss

Bei der Therapie des Achillessehnenriss kommen zu einem die konservativ funktionelle Therapie, als auch die operative Therapie zum Einsatz.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung wird bei Betroffenen mit vorbestehenden Erkrankungen wie einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) und Diabetes mellitus bevorzugt. Aber auch bei Patienten im höheren Alter stellt die konservative Behandlung die bevorzugte Behandlung dar.

Eine Untersuchung mittels Ultraschalls muss herangezogen werden, um sicherzustellen, dass die Enden des Risses beim Absenken des Fußes noch Kontakt haben. Die Entfernung der Enden darf hierbei bei um die 20 Grad liegen. Nur so können die Sehnenenden wieder zusammenheilen.

Um den Heilungsprozess zu verbessern, ist ein Gips nicht notwendig. Der Betroffene erhält stattdessen einen Spezialschuh mit einer Fersenerhöhung. Dadurch ist bereits kurz nach dem Unfall nicht nur eine Vollbelastung möglich, sondern auch eine Krankengymnastik umsetzbar. Übungen zur Koordination und Stabilisierung sind Ziel dieser.

Operative Versorgung

Stehen die Enden des Risses zu weit auseinander und berühren sich demzufolge nicht mehr, ist bei einem Achillessehnenriss eine OP die letzte Lösung. Hierbei werden die Rissenden wieder zusammengenäht. Im Nachgang wird der Fuß mit Hilfe eines Gipses für ein paar Tage ruhiggestellt. Ist die Hautwunde verheilt, kann der Betroffene ebenfalls einen Spezialschuh tragen. Auch in diesem Falle ist so eine frühzeitige Nachbehandlung möglich.

Dauer eines Achillessehnenriss

Bei frühzeitiger Behandlung und fachgerechter Versorgung ist die Prognose bei einem Achillessehnenriss sehr gut. Die Dauer eines Achillessehnenriss ist abhängig von der gewählten Behandlungsmethode. Bei beiden Vorgehensweisen ist eine mehrmonatige Nachbehandlung nötig. Der Heilungsprozess bei einem Achillessehnenriss dauert ca. sechs bis acht Wochen. Sport darf jedoch höchstens nach drei bis vier Monaten erfolgen. Leistungssportler sollten ihr Training frühstens ab sechs Monaten beginnen. Der Betroffene sollte sich zudem regelmäßigen Kontrollen bei einem Sportarzt (plus Ultraschalluntersuchungen) unterziehen.

Quellen

crossmenumenu-circlecross-circle