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Herz Wechseljahre

Letzte Aktualisierung: 02/02/24

Herz und Wechseljahre

Das Herz rast plötzlich und der Puls schießt in die Höhe – in den Wechseljahren leiden viele Frauen unter Herzrasen, sogenannter Tachykardie oder Herzstolpern, auch bekannt als Palpitationen. Verantwortlich für dieses typische Symptom der Wechseljahre sind wahrscheinlich die drastischen Umstellungen im Hormonhaushalt. Wie es genau dazu kommt, ab wann Sie zum Arzt sollten und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Herz und Wechseljahre

Herzrasen, Schweißausbrüche, Hitzewallungen – die Wechseljahre

Als Wechseljahre oder auch Klimakterium bezeichnet man die Übergangsphase von der reproduktiven Zeit bis zum Erlöschen der ovariellen Funktion bei der Frau. Bei 95% der Frauen beginnt diese Phase im Alter zwischen 45–55 Jahren. Unter der Menopause versteht man dabei den Zeitpunkt der letzten Menstruation. Im Durchschnitt beträgt das Menopausenalter in unseren Breitengraden 50-52 Jahre.

Den Zeitraum zwischen dem ersten Auftreten klinischer Symptome und hormoneller Veränderungen bis zwölf Monate nach der Menopause nennt man Perimenopause. Anschließend beginnt dann die sogenannte Postmenopause und etwa ab dem 65. Lebensjahr spricht man vom Senium. Die Wechseljahre umfassen dementsprechend den gesamten Zeitraum von Peri- bis Postmenopause.

Während dieser Zeit kommt es zu umfassenden hormonellen Veränderungen. Die abnehmende Ovarialfunktion führt in der Perimenopause zum Absinken des Progesteron- und Östrogenspiegels. In dieser Zeit treten bereits vermehrt anovulatorische Zyklen auf, also Zyklen ohne Eisprung. Tritt die Menopause auf, haben sich die Hormonkonzentrationen von Östrogen und Progesteron einer Art Tiefpunkt angenähert. Auf diesem niedrigen Level harmonisieren sie sich dann mit Ende der Wechseljahre.

Insbesondere die oft stark schwankenden Östrogenspiegel rufen typische Beschwerden in den Wechseljahren hervor. Dazu zählen:

  • Herzrasen, Herzklopfen
  • Schweißausbrüche
  • Hitzewallungen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressive Verstimmungen, inkl. Angstgefühlen, Nervosität, Reizbarkeit
  • Harnwegsbeschwerden wie Infekte oder Inkontinenz
  • Libidoverlust.

Hitzewallungen, Schweißausbrüche und vaginale Trockenheit treten bei 50–80% aller Frauen auf und werden damit am konsistentesten berichtet. 80% der Frauen leiden für etwa ein Jahr an Hitzewallungen, bis zu 25% der Frauen jedoch für mehr als fünf Jahre.

Herzrasen als Symptom der Wechseljahre

Herzrasen und -stolpern können Anzeichen für die Wechseljahre sein. Unser Puls gibt an, wie schnell das Herz Blut durch unseren Körper pumpt. Bei Erwachsenen ist ein Ruhepuls zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute als normal anzusehen. Ab einem Ruhepuls von über 100 Schlägen pro Minute spricht man von Tachykardie – also Herzrasen. Herzstolpern hingegen beschreibt zusätzliche Herzschläge außerhalb des regelmäßigen Rhythmus. Der Fachbegriff hierfür lautet Palpitationen. Sie machen sich als kräftiger Schlag in der Brust bemerkbar, wobei das Herz kurzzeitig aus dem Takt gerät.

Als Symptom der Wechseljahre sind Herzstolpern und Herzrasen bislang kaum erforscht. Dabei machen diese Beschwerden einer Untersuchung aus den USA zufolge relativ vielen Frauen zu schaffen. Insgesamt wurden dabei 759 Frauen zwischen 42 und 62 Jahren befragt, die alle typische Symptome der Wechseljahre aufwiesen. Im Schnitt gaben 25% der Frauen an, sich dabei auch durch Palpitationen beeinträchtigt zu fühlen. Die Mehrzahl mit 18,6% spürte dabei „ein bisschen“ Unbehagen, während 5,0% den Leidensdruck als „moderat“ und 1,5% als „ziemlich stark“ beschrieben.

Östrogene: Schutzschild fürs Herz

Unklar ist allerdings, ob dieses Herzklopfen immer Veränderungen widerspiegelt, die auch im EKG zu sehen sind oder ob es sich nur um vorübergehende Empfindungen handelt. Fakt ist jedoch: der Östrogenmangel in der Postmenopause ist ein entscheidender Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen im höheren Alter. Denn Östrogene haben sind kardioprotektiv – sie haben einen schützenden Effekt auf unser Herz. Dieser beruht auf zwei Prinzipien: Östrogene verbessern die Cholesterinwerte, indem der HDL-Spiegel ansteigt, während das LDL herabgesetzt wird. Dies wirkt sich insbesondere indirekt positiv auf unsere Gefäßwände aus. Darüber hinaus wirkt Östrogen aber auch direkt auf die Gefäßwände, indem es die Gefäßerweiterung verbessert – auch bei bereits atherosklerotisch veränderten Gefäßen.

Das können Sie gegen Herzklopfen in den Wechseljahren tun

Herzrasen, starkes Herzklopfen oder Herzstolpern kann unter Umständen auch andere Ursachen als die Wechseljahre haben. Dazu zählen koronare Krankheiten, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Anämie, Panikattacken, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten. Wenn sie über einen längeren Zeitraum solche Beschwerden bemerken, sollten sie nicht zögern, diese von Ihrem Hausarzt oder einem Kardiologen abklären zu lassen.

Prinzipiell können sich verschiedene Lifestyle-Maßnahmen positiv auf die Beschwerden in den Wechseljahren auswirken. Hierzu zählen:

  • regelmäßige körperliche Aktivität
  • gesunde Ernährung und vermeiden von sehr scharfen Speisen
  • Verzicht von Nikotin, Alkohol und Koffein
  • Entspannungsverfahren wie Yoga, autogenes Training oder Akupunktur
  • pflanzliche Substanzen wie Phytoöstrogene, Salbeiblätter oder Johanniskraut.

Eine besondere Rolle bei der Therapie von Herzbeschwerden spielen Magnesium und Kalium. Diese beiden Elektrolyte wirken sich positiv auf den Herzrhythmus aus und ein Mangel kann ursächlich für Herzrasen und -stolpern sein. Daher sollten Sie bei der Ernährung immer auf eine ausreichende Magnesium- und Kaliumzufuhr achten. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie allerdings immer mit Ihrem Arzt besprechen, da auch eine Überversorgung gesundheitliche Probleme auslösen kann.

Bei sehr starken Wechseljahresbeschwerden kann eine Hormonersatztherapie (HRT) helfen. Dabei werden bioidentische Hormone gegeben, was die Effekte des plötzlichen Abfallens vom körpereigenen Östrogen und Progesteron abmildern kann. Die Hormonersatztherapie kann in Form von Tabletten, Gels, Sprays, Pflastern oder Salben erfolgen.

Doch die Therapie ist nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen, weshalb im Einzelfall immer eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung in Zusammenarbeit mit Ihrem behandelnden Arzt erfolgen sollte. Wichtig ist auch, nach einer gewissen Zeit der Therapie Auslassversuche zu probieren und die Hormone langsam auszuschleichen.