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Muskelfaserriss

Eine häufige Sportverletzung – der Muskelfaserriss  

Der Mensch hat insgesamt etwa 656 Muskeln. Dass einer dieser Muskeln durch körperliche Überlastung reißen kann, liegt da nicht fern – die Diagnose: Ein Muskelfaserriss. 

Jeder Muskel hat seine eigene Funktion und im Zusammenspiel garantieren Sie die Körperstatik und -motorik. Es handelt sich um ein komplexes und essentielles System, das insbesondere im Sport an seine Grenzen stoßen kann. Doch wie merkt man einen Muskelfaserriss und wie wird er behandelt? 

So äußert sich ein Muskelfaserriss 

Bei einem Muskelfaserriss kommt es meistens am Ende einer Belastung plötzlich zu einem stechenden Schmerz im betroffenen Muskel. Danach sind schmerzbedingt weitere Belastungen des Muskels oftmals unmöglich. Jegliche Dehnung oder Druck auf den Muskel ist ebenfalls äußerst schmerzhaft.  

Unmittelbar nach der Verletzung kann eine sicht- und tastbare Delle an der betroffenen Stelle entstehen. Durch das rasche Anschwellen nach der Verletzung, ist diese aber meist nicht lange tastbar. Manchmal bildet sich zudem an der Stelle des Risses ein sichtbarer Bluterguss.  

Häufig werden solche Muskelfaserrisse durch sportliche Aktivität bei kalter Witterung und nicht ausreichendem Aufwärmen vor der Aktivität begünstigt. Wirkt dann ruckartig eine Kraft auf den Muskel ein, die größer ist als die Kraft des Muskels selbst, können die Fasern reißen. Das kann beispielsweise bei wiederholten Sprints, plötzlichem Abstoppen oder schnellen Richtungswechseln der Fall sein.  

Diagnostik: So kann ein Muskelfaserriss festgestellt werden 

Wenn Sie beispielsweise nach dem Sport plötzlich stechende Schmerzen in einem Muskel – oftmals in Oberschenkel oder Wade – verspüren, sollten Sie nicht zögern, einen Orthopäden aufzusuchen, um einen Muskelfaserriss auszuschließen. Dieser wird sie zunächst ausführlich zu Ihren Beschwerden und dem Verletzungsmechanismus befragen. Im Rahmen dessen wird ihn interessieren, wobei die Verletzung passiert ist, wie lange das her ist und wo genau Sie Schmerzen haben. Anschließend wird er Sie körperlich untersuchen.

Dabei wird er zunächst die betroffene Stelle begutachten und versuchen, eine Muskeldelle oder eine Schwellung zu tasten, was auf einen Muskelfaserriss hindeuten kann. Außerdem wird er noch testen, ob Ihnen das passive Dehnen oder Belasten des Muskels Schmerzen bereitet und ob der Muskel an Kraft eingebüßt hat.  

Nach dem Arzt-Patienten-Gespräch und der körperlichen Untersuchung kann Ihr Orthopäde bei Verdacht auf einen Muskelfaserriss diese Diagnose mittels Ultraschalls oder Magnetresonanztomografie (MRT) stützen. Neben dem Riss an sich kann er mithilfe dieser bildgebenden Verfahren auch feststellen, ob es beispielsweise zu einer Einblutung ins Gewebe gekommen. Besteht zusätzlich der Verdacht auf eine Verletzung der Knochen, lässt sich dies mit Röntgenaufnahmen überprüfen. 

Behandlung eines Muskelfaserrisses: So lange dauert es, bis Sie wieder fit sind 

Die ersten Maßnahmen bei Verdacht auf einen Muskelfaserriss sollten möglichst schnell nach der Verletzung ergriffen werden. So kann der Heilungsverlauf gleich zu Beginn positiv beeinflusst werden. Dabei können Sie sich am sogenannten PECH-Schema orientieren:  

  • P wie Pause: Brechen sie die Aktivität, die zur Verletzung geführt hat ab und stellen Sie die betroffene Extremität ruhig.  
  • E wie Eis: Kühlen Sie die verletzte Stelle für zehn bis 20 Minuten mit einer Eispackung, Eiswasser, Kühlspray oder einem kalten Umschlag.  
  • C wie Compression: Legen sie einen Kompressionsverband mit moderatem Druck an.  
  • H wie Hochlagerung: Die verletzte Extremität – oftmals das Bein – sollte hochgelagert werden, damit weniger Blut in das verletzte Gewebe strömt.  

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Schmerzen und Schwellung zu verringern, weitere Schäden zu verhindern und eine mögliche Einblutung ins Gewebe zu stoppen. Die betroffene Stelle sollte nach der Verletzung möglichst nicht mit Wärme behandelt und nicht massiert werden.   

Wenn Ihr Arzt den Muskelfaserriss bestätigt hat, wird er die betroffene Extremität mit einem kühlenden Salbenverband zunächst für 24-48 Stunden ruhigstellen. Dabei werden meist Salben wie Diclofenac oder Heparin zum Einsatz kommen, die außerdem abschwellend wirken. Zudem kann er Ihnen Schmerzmittel in Tablettenform verordnen. Hat sich ein großer Bluterguss gebildet, muss dieser eventuell punktiert werden. Dies ist meist nach etwa 12-24 Stunden möglich.  

Etwa 4-5 Tage nach der Verletzung können dann Massagen der Muskulatur um die betroffene Stelle sowie leichte passive Dehnungsübungen des betroffenen Muskels sinnvoll sein. Sobald die Beschwerden soweit zurückgegangen sind, dass Sie den Muskel wieder schmerzfrei belasten können, sollten unter physiotherapeutischer Anleitung gezielte Übungen erfolgen, die den betroffenen Muskel wieder zunehmend beanspruchen.

Eine volle sportliche Belastung ist meist etwa 4-6 Wochen nach dem Muskelfaserriss wieder möglich, dies kann aber stark vom Einzelfall abhängig sein. Wenn man den Muskel zu früh belastet, bevor der Riss ausgeheilt ist, kann leicht eine erneute Verletzung entstehen. In der Regel heilt ein Muskelfaserriss allerdings folgenlos aus.  

Unter der Lupe: der Aufbau eines Skelettmuskels 

Doch wie genau ist ein Muskel überhaupt aufgebaut? Jeder Muskel ermöglicht durch seine individuelle Verbindung mit den Knochen des menschlichen Skeletts, unterschiedlichste Bewegungen. Dies ist einerseits für die Stabilisierung des Körpers und andererseits für Funktionalität wichtig. Wenn wir uns bewegen, ergibt das ein Zusammenspiel aus Anspannung und Entspannung verschiedenster Muskeln.  

 Für die Anspannung – auch Kontraktion genannt – besteht jeder Muskel aus zahlreichen Muskelfasern, die zu Bündeln zusammengefasst sind – den Muskelfaserbündeln. Von außen ist der Muskel von einer derben Bindegewebsschicht, der Faszie eingehüllt. Doch kein System ist ohne Schwachstelle, denn kommt es zur Überlastung können diese Fasern reißen – ein Muskelfaserriss. 

Quellen

  • Aumüller, G., Aust, G., & Doll, A. (2010). Duale Reihe Anatomie (2. Aufl.). Georg Thieme Verlag KG. 
  • (2010). Kurzlehrbuch Chirurgie: 187 Tabellen (8., vollst. überarb. und erw. Aufl.). Stuttgart [u.a.]: Thieme. 
  • Bau, S., Maibaum, S., Graf, S., Braun, M., Kehl, S., Jagomast, B., . . . Wörns, C. (2013). Therapielexikon der Sportmedizin: Behandlung Von Verletzungen des Bewegungsapparates. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin / Heidelberg. 
  • Feil, W., Ryffel-Hausch, J., & Wessinghage, T. (2009). Sportverletzungen von A: Z: Gesundheitscoach ; Von Schulmedizin bis Naturheilkunde: rasche Heilung ; bessere Regeneration (1. Aufl.). Haug. 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Skelettmuskulatur (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Muskelfaserriss (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/PECH-Schema (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/muskelfaserriss/ (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
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