Sprache
[wpml_language_selector_widget][/wpml_language_selector_widget]

Muskelfaserriss im Oberschenkel 

Der Oberschenkel ist über das Knie mit dem Unterschenkel und über das Hüftgelenk mit dem Rumpf verbunden. Der stützende Knochen ist das sogenannte Femur, der von zahlreichen Muskeln umgeben ist. In Summe garantieren die Muskeln einerseits Stabilität und ermöglichen andererseits zahlreiche Bewegungen im Hüft- und Kniegelenk. Doch darüber hinaus können Sie auch von Verletzungen, wie zum Beispiel einem Muskelfaserriss im Oberschenkel, betroffen sein. 

Die Oberschenkelmuskeln 

Die Muskulatur des Oberschenkels lässt sich funktionell in drei Gruppen einteilen, die gemeinsam die ideale Gruppenarbeit leisten:  

  • die Muskelgruppe der Oberschenkelvorderseite, der sogenannte Quadriceps femoris und  
  • die rückseitige Oberschenkelmuskulatur, die sogenannte Ischiocrurale Muskulatur und 
  • die Muskeln an der Innenseite und Außenseite, die sogenannten Adduktoren und Abduktoren 

Die Muskeln der Oberschenkelvorderseite sind die einzigen Muskeln, die eine Streckung des Kniegelenks ermöglichen. Der Quadrizeps besteht aus vier Anteilen und verläuft vom vorderen Beckenknochen bis unter die Kniescheibe. Als weiterer Muskel befindet sich der sogenannte Musculus Sartorius ebenfalls an der Oberschenkelvorderseite. Er wird auch Schneidermuskel genannte, da er in Hüft- und Kniegelenk genau die Bewegungen ausführt, um in einen Schneidersitz zu gehen.  

Die hinteren Oberschenkelmuskeln – die ischiocrurale Muskulatur – umfasst den Musculus Biceps Femoris, Semimembranosus und Semitendinosus. Diese Muskeln können einerseits das Kniegelenk beugen und andererseits das Hüftgelenk strecken.   

Die Adduktoren verlaufen allesamt vom Hüftknochen zur Rückseite des Oberschenkelknochens. Insgesamt zählen sieben verschiedene Muskeln dazu. Sie ermöglichen das Heranführen des Beins zum Körper, können aber auch an Rotations- oder Beuge- bzw. Streckbewegungen beteiligt sein.  

Gebündelte Kraft: Die Muskelfaser

Damit wir unsere Muskeln anspannen können, bestehen diese aus unzähligen Muskelfasern, die wiederum durch Hüllstrukturen zu Bündeln – den Muskelfaserbündeln – zusammengefasst sind. Viele Muskelfaserbündel bilden dann gemeinsam eine größere Einheit – den Muskel an sich. Der so zusammengesetzte Muskel wird komplett von einer derben Bindegewebsschicht, einer Muskelfaszie, umhüllt. Doch so kräftig und gut strukturiert uns unsere Oberschenkelmuskeln auch vorkommen – kommt es zur Überlastung, können ihre Bauteile, die Muskelfasern, reißen.  

Ein Muskelfaserriss im Oberschenkel ist eine typische Sportverletzung. Nicht selten hört man in den Tagesnachrichten von Profifußballern, die wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel ausfallen. Insbesondere Sportarten mit schnellen Abbrems- und Beschleunigungsbewegungen stellen ein hohes Risiko für Risse in den Muskelfasern dar.

Dies umfasst neben Fußball andere Ballsportarten wie Squash, aber auch beim Laufen – vor allem beim Kurzstreckensprint – kann es zum Muskelfaserriss des Oberschenkels kommen. Durch die abrupten Bewegungen unter starker Belastung übersteigt die Kraft auf den Muskel die Kraft des Muskels selbst, wodurch die Fasern reißen können. Begünstigt werden Muskelfaserrisse durch sportliche Aktivität bei kalter Witterung, schlechte Erwärmung vor der Aktivität, eine ungewohnte Bodenbeschaffenheit sowie ungleichmäßige Belastung.

Diese Beschwerden ruft ein Muskelfaserriss im Oberschenkel hervor 

Reißen die Muskelfasern im Oberschenkel, kommt es meist am Ende der auslösenden Belastung plötzlich zu einem stechenden Schmerz. Je nach betroffenem Muskel kann dieser eher auf der Oberschenkelvorderseite, Rück-, Innen- oder Außenseite liegen. Betroffene können den Oberschenkel meist nicht mehr belasten, denn das Auftreten ist extrem schmerzhaft. Auch eine Dehnung oder Druck auf den Muskel können starke Schmerzen hervorrufen.   

Tatsächlich lässt sich der Muskelfaserriss anfangs manchmal als Delle im Oberschenkel tasten. Diese verschwindet allerdings meist nach kurzer Zeit, da durch die Verletzung das Gewebe rasch anschwillt. Außerdem kann sich am Oberschenkel an der Stelle des Muskelfaserrisses ein sichtbarer Bluterguss bilden.  

Untersuchungen bei einem Muskelfaserriss im Oberschenkel 

Wenn Sie nach dem Sport plötzlich stechende Schmerzen im Oberschenkel verspüren, sollten Sie nicht zögern, einen Facharzt – in diesem Fall einen Orthopäden – aufzusuchen. Dieser wird zunächst ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch führen. 

Dabei wird ihn besonders interessieren, wie es zu der Verletzung gekommen ist, wie lange das her ist und wo genau die Schmerzen sind. Dann wird er Ihren Oberschenkel genauer untersuchen. Zunächst wird er versuchen, eine sicht- oder tastbare Delle zu identifizieren. Anschließend wird er verschiedene Tests durchführen, um genauer beurteilen zu können, wo die Muskelfasern gerissen sind. Lassen sich die Schmerzen beispielsweise durch das passive Wegbewegen und das aktive Heranführen des Oberschenkels zum Körper auslösen, deutet dies auf eine Adduktorenverletzung hin.  

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann Ihr Arzt außerdem meist direkt einen Muskelfaserriss im Oberschenkel nachweisen. Alternativ lässt sich mittels Magnetresonanztomografie (MRT) das Weichteilgewebe sehr detailliert darstellen und so die Diagnose bestätigen.  

Zusätzlich kann Ihr Arzt mit diesen bildgebenden Verfahren auch feststellen, ob es beispielsweise zu einer von außen nicht sichtbarer Einblutung ins Gewebe gekommen ist.   

So wird ein Muskelfaserriss im Oberschenkels behandelt 

Unmittelbar nach der Verletzung lässt sich durch schnelles Handeln der Heilungsverlauf meist schon positiv beeinflussen. In der Akutphase sollten Muskelfaserrisse nach dem sogenannten PECH-Schema behandelt werden.  

  • P wie Pause: Brechen sie die Aktivität, die zur Verletzung geführt hat ab und stellen Sie die betroffene Extremität ruhig.  
  • E wie Eis: Kühlen Sie die verletzte Stelle für zehn bis 20 Minuten mit einer Eispackung, Eiswasser, Kühlspray oder einem kalten Umschlag.  
  • C wie Compression: Legen sie einen Kompressionsverband mit moderatem Druck an.  
  • H wie Hochlagerung: Die verletzte Extremität – oftmals das Bein – sollte hochgelagert werden, damit weniger Blut in das verletzte Gewebe strömt.  

Durch diese Maßnahmen können Schmerzen und Schwellungen verringert und weitere Schäden verhindert werden.  

Wenn Ihr Arzt anschließend die Diagnose eines Muskelfaserrisses im Oberschenkels gestellt hat, wird er Ihr Bein zunächst mit einem kühlenden Salbenverband – beispielsweise mit Diclofenac oder Heparin für 1-2 Tage ruhigstellen. Hat sich ein großer Bluterguss gebildet, kann dieser nach 12-24 Stunden punktiert werden.  

Nach vier bis fünf Tagen sind Massagen des betroffenen Muskels sowie leichte Dehnungsübungen möglich. Sobald sie den Muskel schmerzfrei belasten können, sind krankengymnastische Übungen empfehlenswert, um den Muskel wieder zunehmend zu beanspruchen und einer Muskelatrophie vorzubeugen. Zum Sport zurückkehren können Betroffene meist etwa nach 4-6 Wochen.  

Quellen

  • Aumüller, G., Aust, G., & Doll, A. (2010). Duale Reihe Anatomie (2. Aufl.). Georg Thieme Verlag KG. 
  • Renkawitz, T., Tingart, M., Beckmann, J., Kalteis, T., Grifka, J., Winkler, R. U., . . . Lorenz, K. Erkrankungen und Verletzungen von Hüftgelenk und Oberschenkel. Orthopädie und Unfallchirurgie, pp. 711-758. doi:10.1007/978-3-642-13111-0_27 
  • (2010). Kurzlehrbuch Chirurgie: 187 Tabellen (8., vollst. überarb. und erw. Aufl.). Stuttgart [u.a.]: Thieme. 
  • Bau, S., Maibaum, S., Graf, S., Braun, M., Kehl, S., Jagomast, B., . . . Wörns, C. (2013). Therapielexikon der Sportmedizin: Behandlung Von Verletzungen des Bewegungsapparates. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin / Heidelberg. 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Muskelfaserriss (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/PECH-Schema (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
crossmenumenu-circlecross-circle