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MRT Ohr

Hammer, Amboss und Steigbügel unter der Lupe: MRT OHR 

Mit dem MRT des Ohrs können Beschwerden und Hörstörungen nun rechtzeitig erkannt werden.

Hammer, Amboss, Steigbügel – filigrane Knöchelchen, die essentiell für eines der Wunder unserer Sinneswahrnehmung sind: Das Ohr. Es ist zum einen für den Hörsinn, also die Wahrnehmung akustischer Reize, und zum anderen für den Gleichgewichtssinn, die sogenannte vestibuläre Wahrnehmung zuständig. Dank unserer Ohren können wir Töne, Klänge und Geräusche aufnehmen und unseren Körper im Raum orientieren und ausbalancieren.

MRT Ohr

Doch dieses ausgeklügelte System bietet auch Raum für Erkrankungen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind. Allein an Tinnitus erkranken in Deutschland jährlich rund 340.000 Menschen, knapp 19 Millionen haben diese Ohrgeräusche schon einmal erlebt. Veränderungen des Hörens und auch des Gleichgewichtssinns, die oft eng miteinander zusammenhängen, können zunächst meist mit einfachen Mitteln direkt am und mit dem Patienten untersucht werden.

Doch früher oder später kann es sein, dass eine bildgebende Untersuchung zur Diagnosestellung benötigt wird. Hier kann die Magnetresonanztomographie (MRT) des Ohrs zum Einsatz kommen.  

Kettenreaktion: Der Hörsinn 

Das Ohr setzt sich dabei aus dem Außenohr (Ohrknorpel, Ohrmuschel, Ohrläppchen und äußere Gehörgang), dem Mittelohr (Trommelfell und Gehörknöchelchen) und dem Innenohr (Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan) zusammen. Das Außenohr dient dem Einfangen und der Richtungsbestimmung des auftreffenden Schalls. Anschließend versetzt der Schall im Mittelohr das Trommelfell in Schwingungen.  

Hinter dem Trommelfell befindet sich die sogenannte Paukenhöhle, in der die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel liegen, die nun die Schwingungen vom Trommelfell aufnehmen. Der Steigbügel mündet mit einer Platte in das sogenannte ovale Fenster, welches den Beginn des Innenohrs markiert.  

Das Innenohr besteht aus dem häutigen Labyrinth, das innerhalb der Felsenbeinpyramide in eine Knochenhöhle, das sogenannte knöcherne Labyrinth eingebettet ist. Man unterscheidet dabei zwei separate Organe: Das Vestibularorgan, das für den Gleichgewichtssystem verantwortlich ist und die Cochlea (Schnecke) die grundlegend für den Hörsinn ist.  

Gelangen die Schallwellen nun über die Gehörknöchelchen und das ovale Fenster in Innenohr, werden dort durch die Schwingungen die Sinneszellen des Ohres, die Haarzellen, erregt. Mit diesen Zellen ist unser Hörnerv verbunden, über den die Erregungen schließlich an unser Hörzentrum weitergeleitet werden, wodurch dann Töne bzw. Geräusche bewusst wahrgenommen werden.  

Gleichzeitig finden sich im Innenohr auch die drei Bogengänge und die zwei Makulaorgane, die für unseren Gleichgewichtssinn verantwortlich sind. Sie sind mit einer Flüssigkeit, der Endolymphem, gefüllt, wobei spezielle Sinneszellen die jeweilige Lage bzw. Beschleunigung dieser Flüssigkeit in den Vestibularorganen detektieren können.

Über einen speziellen Ast des Hörnervs werden die Erregungen dieser Zellen dann wiederum ins Gehirn weitergeleitet Dort werden diese Informationen schließlich zusammen mit weiteren Sinneseindrücken aus dem visuellen und somatosensorischen System verarbeitet, sodass ein Eindruck der Lage unseres Körpers im Raum entsteht.  

Schwindel oder Hörstörungen: Typische Erkrankungen des Ohres 

Typische Hinweise auf eine Erkrankung des Ohres sind Symptome wie Schwindel, Hörverlust oder Hörstörungen und Phantomgeräusche wie Ohrensausen, der sogenannte Tinnitus. Die Hörstörungen kann man prinzipiell in zwei Gruppen unterscheiden: Die Schallleitungsschwerhörigkeit und die Schallempfindungsschwerhörigkeit.  

Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit gelangen die Schallwellen nur noch in abgeschwächter Form oder gar nicht mehr ins Innenohr. Ursächlich sind hierfür meist ein verstopfter Gehörgang oder Fehlbildungen, aber auch eine Entzündung im Mittelohr oder eine Perforation des Trommelfells sowie Verkalkungen können eine Schallleitungsschwerhörigkeit hervorrufen. 

Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit hingegen führt eine Störung im Bereich der Cochlea oder der nachgeschalteten Strukturen (bspw. Hörnerv oder Hörrinde) zu einem gestörten Empfang des Schallsignals. Ursächlich hierfür können Funktionsstörungen der Haarzellen beispielsweise bei einem Hörsturz, aber auch des Hörnervs selbst, beispielsweise durch ein Akustikusneurinom - einen gutartigen Tumor - oder durch eine Verletzung des Nervs, sein.  

Darüber hinaus können Störungen des Gleichgewichtsorgans, wie beispielsweise Morbus Meniere, aber auch Läsionen des Hörnervs bzw. der zentral verarbeitenden Strukturen im Gehirn, Schwindel hervorrufen. Im Falle solcher Störungen stimmen meist die Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan nicht mehr mit den visuellen Wahrnehmungen überein, sodass diese Differenz als Schwindel wahrgenommen wird.

Magnetfelder und Radiowellen statt Röntgenstrahlung: Das MRT Ohr 

Bei vielen dieser Krankheitsbilder kann meist durch eine gründliche klinische Untersuchung schon eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Doch insbesondere zum Ausschluss von Tumoren des Hörnervs hat sich die bildgebende Diagnostik in Form der Magnetresonanztomographie bewährt. Doch wie funktioniert dieses Verfahren überhaupt?  

Bei der Magnetresonanztomographie werden mittels starker Magnetfelder und Radiowellen Bilder des Körperinneren angefertigt. Damit unterscheidet sie sich wesentlich von klassischen Röntgenaufnahmen und auch von der Computertomographie, denn die MRT funktioniert gänzlich ohne den Einsatz von Röntgenstrahlen. Der untersuchte Körperabschnitt wird zunächst schichtweise gescannt, sodass zweidimensionale Schnittbilder entstehen. Diese können später am Computer zu einem dreidimensionalen Bild zusammengefügt werden, sodass sich sehr detailliert verschiedenste Strukturen und Funktionen des Körpers beurteilen lassen.  

Der große Vorteil der MRT liegt neben ihrer hohen Präzision im exzellenten Weichteilkontrast. Daher ist sie insbesondere bei der Beurteilung von Tumoren, Entzündungen und Nekrosen des Knochens und der Weichteile den übrigen bildgebenden Verfahren häufig deutlich überlegen. Selbst kleinste, sonst nicht sichtbare Veränderungen können oftmals per MRT sichtbar gemacht werden. 

Insbesondere im Bereich des Innenohrs ist dies von Bedeutung: Innenohrentzündungen oder seltene Tumoren am Innenohr, die bei der körperlichen Untersuchung kaum zugänglich sind, lassen sich inzwischen mittels MRT sicher diagnostizieren. Auch Fehlbildungen können mittels MRT meist sicher festgestellt oder ausgeschlossen werden. Angeborene oder erworbene Störungen des Hörvermögens sind heute mit modernen Therapieverfahren wie zum Beispiel einem Cochlea Implantat behandelbar.

Ihre Anwendung ist aber nur möglich, wenn ein Hörnerv vorhanden ist und auch anatomisch gesehen einer Implantation nichts im Wege steht. Daher ist auch in diesem Fall vorab ein MRT zur OP-Planung indiziert.  

So läuft eine MRT des Ohres ab 

Die MRT-Untersuchung des Ohres dauert etwa 45 Minuten und wird in Rückenlage durchgeführt, wobei der zu untersuchende Bereich – in diesem Fall der Kopf – mit einer speziellen Spule fixiert wird. Sie werden dann mit dem Kopf voraus in die Röhre des MRT-Scanners gefahren. Das Ohr sollte sich dabei immer möglichst in der Mitte des Gerätes befinden, was bedeutet, dass Ihr Kopf bei dieser Untersuchung in der Röhre ist.

Da manche Patienten unter starker Angst vor engen Räumen leiden, kann ein offenes MRT-Gerät eine Alternative sein. Dieses besteht aus zwei Blöcken, zwischen denen sie liegen, wodurch während der gesamten Untersuchungszeit ein freier Blick „nach draußen“ möglich ist. Die Untersuchung dauert bei den offenen Geräten jedoch oft etwas länger, die Verfügbarkeit ist begrenzt und die Bildqualität etwas schlechter. 

Das MRT des Ohrs ist in der Regel vollkommen schmerz- und komplikationslos, allerdings können metallische Implantate, die nicht MRT-​tauglich, eine MRT-Untersuchung unmöglich machen. Betroffene sollten dies im Einzelfall vorab mit ihrem HNO-Arzt bzw. Radiologen klären. Darüber hinaus müssen Sie vor der Untersuchung alle metallischen Gegenstände wie Brillen, Uhren, Schmuck, Haarnadeln, Piercings, Kleidung mit Gürtelschnallen und BHs mit Bügeln ablegen.

Quellen

Referenzen: 

  • Reiser, M., Debus, J., & Kuhn, F. (2011). Duale Reihe Radiologie (3. Aufl.). Georg Thieme Verlag KG. 
  • Aumüller, G., Aust, G., Engele, J., Kirsch, J., Maio, G., Mayerhofer, A., . . . Zilch, H. (2017). Anatomie (4., aktualisierte Auflage.). Stuttgart: Thieme.  
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