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Rheuma und Herz

Gelenk- und Muskelschmerzen kennt fast jeder. Meist verschwinden sie auch wieder ganz von allein. Bleiben die starken und nicht erklärbaren Schmerzen und Schwellungen an Gelenken oder die Muskelschwäche und -schmerzen aber über einen längeren Zeitraum bestehen, wie es z. B. bei Rheuma der Fall sein kann, ist es an der Zeit, zum Arzt zu gehen.

Was ist eigentlich Rheuma?

Oftmals kann sich hinter solchen Beschwerden eine Erkrankung verbergen, die nicht wieder von selbst verschwindet. Die entzündlich rheumatische Erkrankung wird im engeren Sinne als Rheuma bezeichnet und entwickelt sich unbemerkt über eine lange Zeit hinweg. Die Erkrankung greift meist die Gelenke an und äußert sich in chronischen Schmerzen, die in ganz unterschiedliche Körperbereiche ausstrahlen können.

Die Ursachen der Erkrankung sind bis heute noch immer ungeklärt. Eine Behandlung dient also eher dazu, die Symptome zu behandeln und den Alltag des Betroffenen zu erleichtern.

Je früher die Erkrankung erkannt und konsequent behandelt wird, umso eher lassen sich schwere Verläufe verhindern und die Erfolgsaussichten verbessern.

Rheuma erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an einer rheumatischen Erkrankung.2 Zu den häufigsten entzündlichen Erkrankungen zählt die rheumatoide Arthritis. Diese kann nicht nur die Gelenke befallen, sondern auch andere Organe.

Studien zufolge bekommen Betroffene mit einer rheumatoiden Arthritis häufiger kardiovaskuläre Begleiterkrankungen. Dies bedeutet, dass das Herz und die Gefäße betroffen sind. Betroffene mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen zählen also zu den kardiovaskulären Risikopatienten.

Heißt das nun, erst Rheuma und dann auch noch Herzinfarkt?

Neben Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie beispielsweise Osteoporose und Arthrose, bekommen ca. 70 – 80 % der Patienten mit rheumatoider Arthritis eine Begleiterkrankung, die das Herz-Kreislauf-System betreffen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, zusätzlich an einer Herzinsuffizienz oder einer koronaren Herzerkrankung (KHK) zu erkranken, ist bei Patienten mit rheumatoider Arthritis um das Zweifache erhöht.2 Das heißt, insbesondere diese Erkrankungen treten signifikant häufiger auf.

Die entzündliche Aktivität der rheumatoiden Erkrankung kann außerdem auch vermehrt zu einer Verkalkung der Gefäßwände (Arteriosklerose) führen. In der Folge kann es so zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen.

Auf Grund der erhöhten Auftretenswahrscheinlichkeit zählen die kardiovaskulären Begleiterkrankungen heutzutage zu den häufigsten Todesursachen bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis.

Eine gute Kontrolle der Krankheit kann jedoch dabei helfen, dieses kardiovaskuläre Risiko zu senken. Eine konsequente Therapie bestehender Risikofaktoren und eine kardiovaskuläre Risikoabschätzung gelten daher schon seit Jahren in den rheumatologischen Leitlinien als der Standard.3

Das heißt: Wer an Rheuma leidet, sollte regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen.

Vorbeugung einer Herzerkrankung bei Rheuma

Damit es bei Betroffenen entzündlicher rheumatischer Erkrankungen erst gar nicht zur Ausbildung einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche), einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt, ist das Wichtigste die Vorsorge.4

Die Vorsorgemaßnahmen umfassen folgende Untersuchungen:

  • Laboruntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Gefäße
  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Bildgebende Verfahren (CT, MRT)

Insbesondere die bildgebenden Verfahren können dabei helfen, Durchblutungsstörungen des Herzens festzustellen und etwaige Ablagerungen in den Gefäßen rechtzeitig zu erkennen.

Gemäß der Empfehlung der Europäischen Liga gegen rheumatische Erkrankungen (EULAR) sollten Patienten mit rheumatoider Arthritis mindestens alle 5 Jahre die Möglichkeit zur Herzvorsorgeuntersuchung wahrnehmen.

Weitere wichtigen Komponenten der rheumatischen Therapie umfassen die medikamentöse Behandlung sowie die Einstellung von Risikofaktoren. Hierbei wird der Fokus auf das Senken eines zu hohen Blutdrucks oder zu hoher Cholesterinwerte gelegt.

Ein gesunder Lebensstil kann bei Rheuma helfen

Wie so oft als vorbeugende Maßnahmen genannt, sind auch im Rahmen entzündlich rheumatischer Erkrankungen die folgenden Herangehensweisen für einen gesunden Lebensstil von Bedeutung:

  • Verzicht auf das Rauchen
  • Verminderter Alkoholkonsum
  • Gesunde Ernährung
  • Regelmäßige Bewegung

Die Ernährung kann Rheuma begünstigen

Rheumatische Erkrankungen können medikamentös, physikalisch oder gar chirurgisch behandelt werden. Wichtig ist hierbei allerdings auch die Komponente Ernährung. Nicht selten kann eine falsche Ernährung der Auslöser einer Erkrankung (wie zum Beispiel der Gicht) sein.

Eine richtige Ernährung kann dabei helfen, die Entzündungsaktivitäten zu vermindern und den Schmerz zu reduzieren. Der Verzehr von rotem Fleisch, Protein und Kaffee kann bei der rheumatoiden Arthritis das Krankheitsrisiko erhöhen, während Olivenöl, Obst und Gemüse es im Gegenzug senken können.

Empfehlungen für eine entzündungshemmende Ernährung

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine geeignete Ernährung bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen dabei helfen kann, Schwellungen, Überwärmung und Schmerzen zu lindern und somit den Einsatz von Medikamenten zu lindern. Erreicht werden kann dies unter anderem durch Nahrungsmittel, die im Körper weniger entzündungsfördernde Eicosanoide bilden.

In kontrollierten klinischen Studien konnte ebenfalls gezeigt werden, dass eine vegetarische Ernährung förderlich ist und die klinischen Symptome verbessern kann. Dies liegt daran, dass vegetarische Kost arm an Arachidonsäure ist, dadurch werden ebenfalls weniger Eicosanoide, d. h. entzündungsfördernde Stoffe, gebildet.5

Für eine entzündungshemmende Ernährung sollte folgendes beachtet werden:

  • Seltener Konsum fettreicher Fleisch- und Wurstsorten (Schweineschmalz, Schweineleber, Eigelb)
  • Verzehr von fettsäurereichem Seefisch (Makrele, Lachs, Hering)
  • Verzehr von 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag
  • Verzehr von fettarmer Milch und Milchprodukten
  • Verwendung von Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl
  • Seltener Alkoholkonsum

Als Ergänzung zur medikamentösen Therapie und zur Verbesserung des Langzeitverlaufes der Erkrankung sollte im Idealfall gleichzeitig die Ernährungstherapie begonnen werden.

Gibt es Warnsignale für Rheuma?

Betroffene entzündlich rheumatischer Erkrankungen sind und bleiben Risikopatienten für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Um den Alltag des Betroffenen so schmerz- und entzündungsarm wie möglich zu gestalten, ist nicht nur ein gesunder Lebensstil von Bedeutung, sondern auch eine engmaschige Kontrolle durch einen Arzt von Wichtigkeit. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können das therapeutische Vorgehen abrunden und dabei helfen, das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen zu vermindern.

Direkte Warnsignale gibt es jedoch leider nicht, wer allerdings Schmerzen in der Brust hat, Wassereinlagerungen in den Beinen bekommt und zu einem erhöhten Blutdruck neigt, sollte dies mit seinem Arzt besprechen. Dies kann unter Umständen Zeichen für eine beginnende Herzinsuffizienz oder eine koronare Herzerkrankung sein.7

Quellen

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