Sprache
[wpml_language_selector_widget][/wpml_language_selector_widget]

Herzbeutelentzündung: Symptome und Behandlung

Eine Herzbeutelentzündung ist eine Entzündung des Herzbeutels und auch bekannt als Perikarditis. Die Entzündung geht häufig mit einer Flüssigkeitsansammlung einher und kann durch viele verschiedene Ursachen begünstigt werden.

Grundlegendes zu einer Herzbeutelentzündung

Die Perikarditis ist eine entzündliche Erkrankung des Herzbeutels. Das Perikard, der sogenannte Herzbeutel, besteht aus zwei Blättern, dem serösen viszeralen und dem fibrösen parietalen Blatt. Diese beiden Blätter bilden eine Art Sack und umhüllen in Form einer bindegewebigen Kapsel das Herz.

Der Herzbeutel samt Herz liegen in der Perikardhöhle, die mit einer Flüssigkeit ausgekleidet ist. Die Flüssigkeit, meist 20-50ml, dient dazu, den Reibungswiderstand, der sich durch die Bewegungen des Herzens ergibt, möglichst gering zu halten.

Durch die Flüssigkeit lässt sich die Position des Herzens beibehalten, auch wenn sich die Lage des Körpers ändert. Zudem ermöglicht die seröse Flüssigkeit, das Herz von anderen Strukturen im Brustkorbbereich abzugrenzen.

Bei der Perikarditis kann man verschiedene Formen unterscheiden. Die Entzündung kann akut, subakut oder chronisch verlaufen.

Die verschiedenen Formen der Herzbeutelentzündung

Die akute Herzbeutelentzündung zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich schnell entwickelt und oft einen Perikarderguss (Ansammlung von Flüssigkeit im Perikard) hervorruft. Die Flüssigkeit kann serös, serös-blutig, blutig oder eitrig sein.

Die akute Form der Herzbeutelentzündung kann im Verlauf entweder subakut oder chronisch werden. Beide Varianten verlaufen langsamer und sind gekennzeichnet durch den bereits erwähnen vorherigen Erguss.

Die subakute Herzbeutelentzündung ist geprägt durch einen Beginn innerhalb von Wochen bis Monaten nach dem Erguss, während sich erst nach einem Zeitraum von 6 Monaten eine Perikarditis als persistierend bzw. chronisch einstufen lässt.

Ursachen einer Herzbeutelentzündung

Das Entstehen einer entzündlichen Erkrankung des Herzbeutels kann viele verschiedene Ursachen haben. Hierzu zählen:

  • Bakterielle Infektionen (Staphylo- und Streptokokken, Tuberkulose)
  • Parasitäre Infektionen (Toxoplasmose)
  • Virale Infektionen (Influenza-Virus, HIV)
  • Pilzinfektionen
  • Autoimmunerkrankungen (Rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Sklerose)
  • Arzneimittel (Penicillin, Isoniazid, Procainamid)
  • Neoplasien / Krebs (Leukämien, Lungenkrebs, Brustkrebs, Lymphome)
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Entzündliche Erkrankungen (entzündliche Darmerkrankungen, Sarkoidose, Amyloidose)
  • Stoffwechselerkankungen (Urämie)
  • Trauma
  • Strahlentherapie

Oben genannte Ursachen können eine akute Herzbeutelentzündung hervorrufen.

Da eine subakute Herzbeutelentzündung eine Verlängerung der akuten Perikarditis darstellt, hat diese Erkrankung auch die gleichen Ursachen.

Dies ist bei der chronischen Herzbeutelentzündung im Grunde ebenfalls der Fall, es kann jedoch vereinzelt dazu kommen, dass keine akute Herzbeutelentzündung im Vorfeld bestanden hat.

Besonders häufig führen Metastasten zu einer chronischen Herzbeutelentzündung. Die Metastasen sind meist zurückzuführen auf Lungen- oder Brustkrebs, Leukämie, Lymphome, Sarkome oder Melanome.

Symptome einer Herzbeutelentzündung

Die Symptomatik einer Herzbeutelentzündung ist abhängig von der Schwere der Entzündung sowie der Menge und Geschwindigkeit der Flüssigkeitsansammlung. Je nachdem, wie schnell sich die Flüssigkeit ansammelt, kann die Symptomatik unterschiedlich sein.

Typische Symptome einer akuten Herzbeutelentzündung können sein:

  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Dyspnoe (Atmenot)
  • Tachypnoe (beschleunigte Atmung)
  • Druckgefühl im Brustkorbbereich
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Körperliche Schwäche
  • Leistungsschwäche
  • Fieber
  • Schüttelfrost

Die Brustschmerzen, die bei einer Herzbeutelentzündung auftreten können, ähneln denen einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder verminderten Gewebsdurchblutung (Ischämie).

Der Schmerz kann von dumpf oder scharf bis stechend bezeichnet werden und ist abhängig von der Atmung und Belastung. Bewegung und Liegen, tiefe Atmung, Schlucken oder Husten können die Beschwerden im Brustbereich verstärken.

Im Gegenzug kann das aufrechte Sitzen oder Vorlehnen des Oberkörpers die Symptomatik lindern.

Mögliche Komplikationen bei einer Herzbeutelentzündung

In manchen Fällen kann es bei Vorliegen einer Herzbeutelentzündung zu Komplikationen kommen, hierzu zählen die Herzbeuteltamponade sowie die konstriktive Herzbeutelentzündung.

Unter einer Herzbeuteltamponade versteht man die Beeinträchtigung der Herzfüllung durch den Perikarderguss. Diese führt zu einem geringen Herzzeitvolumen (die Menge an Blut, die das Herz in einer Minute in den Blutkreislauf pumpen kann), in seltenen Fällen kann es zu einem Schock oder sogar bis hin zum Tod führen.

Führt die Herzbeutelentzündung zu einer Verdickung oder Versteifung des Perikards, spricht man von einer konstriktiven Herzbeutelentzündung. Kennzeichen dieser ist ein seltenes Auftreten. Die Ursache können entzündliche und fibrotische Verdickungen des Perikards sein (fibrotisch = vermehrtes Bindegewebe).

In manchen Fällen kann es auch dazu kommen, dass die zwei Blätter des Perikards, das viszerale und parietale Blatt, miteinander oder der mittleren Schicht des Herzmuskelgewebes, dem Myokard, verwachsen.

Diagnostik einer Herzbeutelentzündung

Um den Befund einer Herzbeutelentzündung zu sichern, werden zu Beginn ein Elektrokardiogramm (EKG) und ein Röntgenthorax durchgeführt. Die Anwendung einer Echokardiographie kann zusätzlich Aufschluss darüber geben, ob ein Erguss, eine Störung bei der Wandbewegung oder dem Füllungsverhalten des Herzens vorliegen.

Die akute Herzbeutelentzündung(Perikarditis)

Die Diagnose einer akuten Perikarditis kann gestellt werden, wenn verschiedene klinische Befunde und EKG Veränderungen vorliegen:

Da Schmerzen im Brustbereich auch bei einem akuten Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder einem Lungeninfarkt auftreten können, ist es wichtig, diese abzugrenzen.

Zusätzliche Untersuchungen, wie z. B. die Herzenzyme im Serum oder ein CT der Lunge können hierbei hilfreich sein. Der Troponin-Wert eignet sich in diesem Falle nicht, da ein erhöhter Wert auch bei einem Herzinfarkt oder einer Lungenembolie vorliegen kann.

Perikarderguss

Ein Perikarderguss wird häufig nur durch eine vergrößerte Herzsilhouette im Röntgenthoraxbefund aufgedeckt. Das EKG ist in der Regel auffällig. Die Echokardiographie hilft dabei die Menge an Flüssigkeit im Perikard zu bestimmen, eine eventuelle Beeinträchtigung der Herzfüllung (i. S. einer Herzbeuteltamponade), eine Herzschwäche oder gar einen akuten Herzinfarkt zu identifizieren. Anhand dessen kann man der Ursache der Perikarditis auf den Grund gehen.

Sollte das EKG normal sein, keine verdächtigen Befunde vorliegen und der Perikarderguss weniger als 50ml Volumen umfassen, empfiehlt es sich, die Untersuchungen und Echokardiographie in Abständen zu wiederholen.

Konstriktive Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

Besteht der Verdacht einer Verdickung oder Versteifung des Herzbeutels, d. h. einer sogenannten konstriktiven Herzbeutelentzündung erfolgt der Nachweis mit Hilfe von klinischen Befunden, dem EKG, der Röntgenthoraxaufnahme und einer Echokardiographie.

In der Regel wird zusätzlich noch eine Herzkatheteruntersuchung sowie ein CT oder MRT durchgeführt.

Herzbeuteltamponade

Ist die Herzfüllung möglicherwiese durch einen Perikarderguss beeinträchtigt und es wird eine Herzbeuteltamponade vermutet, ist die Durchführung einer Echokardiographie und Rechtsherzkatheteruntersuchung notwendig.

Ist nicht genügend Zeit, wird auf diese verzichtet und direkt eine Punktion des Perikards durchgeführt.

Therapie der Herzbeutelentzündung

Konnte die Diagnose gesichert werden, unterscheidet sich die anschließende Behandlung je nach zugrundeliegender Ursache.

Ist die Ursache der Herzbeutelentzündung viraler Herkunft, kommen antientzündliche Schmermittel (Nichtsteroidale Antirheumatika) und bei Bedarf auch Glukokortikoide zum Einsatz.

Bei bakteriell bedingter Perikarditis ist die Anwendung eines Antibiotikums erforderlich.

Liegen ein Perikarderguss oder eine Herzbeuteltamponade vor, erfolgt die Therapie mit Hilfe einer Punktion, die diese überschüssige Flüssigkeit wieder aus dem Körper herausschafft.

Je nach Ursache der Herzbeutelentzündung wird der behandelnde Arzt das weitere Vorgehen mit Ihnen persönlich absprechen.

Dauer einer Herzbeutelentzündung

Ist die Herzbeutelentzündung viral oder ohne klare Ursache bedingt, dauert diese in der Regel zwischen 1 bis 3 Wochen.

Quellen

crossmenumenu-circlecross-circle