MRT Ellenbogen 

Suche im Detail – die MRT des Ellenbogens

Beim Heben einer Wasserflasche oder auch einer Kaffeetasse schmerzt es plötzlich und der Ellenbogen fühlt sich instabil an – Schuld daran sind oft schwache Bänder, die den Ellenbogen nicht mehr richtig führen können.

MRT Ellenbogen 

Der Ellenbogen ist die bewegliche Verbindung zwischen Oberarm und Unterarm. Dort treffen die Unterarmknochen – Elle und Speiche – auf den Oberarmknochen. Im Ellenbogengelenk sind die Beugung und Streckung des Unterarms gegenüber dem Oberarm und die Einwärts- und Auswärtsdrehung der Speiche gegenüber der Elle möglich. Verschiedenste Veränderungen und Erkrankungen können jedoch zu Schmerzen im Ellenbogengelenk führen. 

Halten die Schmerzen im Ellenbogen an, wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Ellenbogens oftmals unumgänglich, um die korrekte Diagnose zu stellen.

MRT – wie funktioniert das? 

Die Magnetresonanztomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das insbesondere in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung von Geweben und Organen im Körper eingesetzt wird. So lassen sich Struktur und Funktion beurteilen. Ein großer Vorteil der MRT ist dabei, dass sie im Gegensatz zu den Techniken hinter Röntgen- und CT-Aufnahmen gänzlich ohne Strahlenbelastung abläuft. Stattdessen werden die Bilder mittels starker Magnetfelder und Radiowellen aufgenommen. Es gibt MRT-Geräte mit unterschiedlich starken Magnetfeldern, wobei die meisten klinisch eingesetzten MR-Geräte im Bereich 1,5 und 3 Tesla arbeiten. In einzelnen, spezialisierten Zentren werden aber auch Geräte von bis zu 7 Tesla eingesetzt. 

Die MRT besticht zudem durch ihr Detailreichtum und den hohen Weichteilkontrast. Dadurch eignet sich dieses Verfahren insbesondere zur Beurteilung der Weichteilgewebe unseres Körpers, wie Bindegewebe, Bänder, Sehnen und Muskeln, und ist anderen bildgebenden Verfahren häufig deutlich überlegen. 

Bei der MRT wird der zu untersuchende Körperabschnitt schichtweise gescannt. So entstehen zahlreiche zweidimensionale Schnittbilder in hoher Auflösung. Diese können anschließend am Computer übereinandergelegt betrachtet werden. So ergibt sich ein  dreidimensionaler Eindruck. Zusätzlich ist auch eine rechnerische 3D-Rekonstruktion der Bilder am Computer möglich, sodass diese anschließend aus jedem beliebigen Blickwinkel betrachtet werden können.

Ausgeklügelte Biomechanik: Das Ellenbogengelenk

Das Ellenbogengelenk ist gewissermaßen das mittlere Verbindungsstück unseres Armes. Im Gelenk treffen Ober- und Unterarmknochen (Elle und Speiche) aufeinander, wodurch sich drei Teilgelenke unterscheiden lassen. Im sogenannten Humeroulnargelenk artikulieren Oberarmknochen und Elle miteinander wie ein Scharnier, während das Humeroradialgelenk von Oberarmknochen und Speiche gebildet wird und ein Kugelgelenk darstellt. Zusätzlich bilden auch Elle und Speiche miteinander ein Gelenk, das sogenannte proximale Radioulnargelenk. 

Umgeben wird dieses komplexe biomechanische System von einer Kapsel, die alle drei Teilgelenke umfasst. Zusätzlich stabilisieren mehrere Bänder das Ellenbogengelenk:

  • Das Ligamentum collaterale ulnare ist das stärkste der Bänder und verhindert ein seitliches Abweichen der Elle sowie ein Abknicken des Gelenks (sog. Valgus- und Varusstress). 
  • Das Ligamentum collaterale radiale ist ein kurzes, derbe Band, das außen am Ellenbogengelenk liegt und die Speiche im Gelenk stabilisiert. So wird auch ein seitliches Abknicken des Gelenks verhindert.
  • Das Ligamentum anulare radii (Ringband) ist ein ringförmiges, straffes Band, dass den Speichenkopf in Position hält. Somit stabilisiert es lediglich das proximale Radioulnargelenk und weniger das Ellenbogengelenk an sich.

Zusätzlich zum Bandapparat tragen auch zwei Muskeln, der Musculus biceps brachii und der Musculus triceps brachii, je nach Gelenkstellung zum engen und stabilen Kontakt der Gelenkflächen bei. 

Ellenbogenschmerzen – die MRT als Wegbereiter der korrekten Diagnose

Bereits kleine Veränderungen oder Verletzungen am Ellenbogen können für Betroffene sehr schmerzhaft sein. Insbesondere, wenn die Schmerzen länger anhalten, führt der erste Weg dann zum Orthopäden. 

Eine präzise Diagnose ist in Anbetracht der Komplexität dieses Gelenks unerlässlich, um die Beschwerden optimal behandeln zu können. 

Mögliche Ursachen für Ellenbogenschmerzen sind: 

  • Knorpelschäden
  • Verletzungen der umliegenden Bänder (z.B. des Ringbandes)
  • Ruptur der Bizepssehne
  • Entzündungen von Bändern und Sehnen
  • Knochenbrüche
  • Überlastung (z.B. Tennisellenbogen, Golferellenbogen)
  • Ellenbogen-Luxation
  • Schleimbeutelentzündung
  • Gelenkentzündung
  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Reizung des Ellennervs
  • Knochen- oder Weichteiltumore

Um diese Ursachen voneinander abzugrenzen, wird Sie Ihr behandelnder Arzt zunächst ausführlich zu den Beschwerden befragen und einige klinische Tests durchführen. Anschließend wird er meist schon eine Verdachtsdiagnose haben, in vielen Fällen sind aber für eine sichere Diagnose bildgebende Verfahren unumgänglich. Mittel der Wahl ist dann häufig die Magnetresonanztomographie. 

Besonders gut darstellbar sind in der MRT die Sehnen und Bänder. Normalerweise erscheinen diese dunkler als die umliegenden Strukturen. Liegt eine degenerative Veränderung vor, erscheinen die Sehnen in der sogenannten T1-Sequenz des MRT verdickt und etwas heller. Zusätzlich nehmen sie bei Kontrastmittelgabe dieses vermehrt auf. Gerissene bzw. angerissene Sehnen oder Bänder fallen durch eine Diskontinuität im MRT auf. Je nachdem, wie lange die Verletzung her ist, kann außerdem eine Flüssigkeitsansammlung innerhalb der Struktur oder ein umgebendes Ödem zu sehen sein.

Bei entzündlichen Veränderungen erscheinen die Sehnen und Bänder vor allem in der T2-Sequenz aufgehellt. Liegen diese Veränderungen allerdings schon länger vor und sind damit chronisch, erscheinen die betroffenen Strukturen vor allem in der T1-Sequenz aufgehellt, während sie in der T2 Sequenz normal erscheinen.

So läuft eine MRT-Untersuchung des Ellenbogens ab>

Idealerweise wird die MRT des Ellenbogens in Bauchlage durchgeführt, wobei der Arm über den Kopf ausgestreckt wird. Diese Lagerung wird auch als Superman-Position bezeichnet. 

Zusätzlich kann ein Sandsack auf den Unterarm und das Handgelenk gelegt werden, um Bewegungen zu minimieren. Anschließend werden Sie in die Röhre des MRT-Gerätes gefahren. Wichtig ist dabei, dass der Ellenbogen möglichst zentral im Gerät liegt, um eine bessere Bildqualität zu erreichen.

Die Untersuchung dauert ungefähr 20 Minuten und ist völlig schmerzfrei. Durch die Magnetfelder entstehen allerdings laute Klopfgeräusche. Damit die Geräuschkulisse für Sie so angenehm wie möglich bleibt, erhalten Sie für die Untersuchung Ohrstöpsel und Kopfhörer. Zusätzlich bekommen Sie einen Notfallknopf in die Hand, den sie betätigen können, falls Ihnen während der Untersuchung plötzlich unwohl wird. Je nach Fragestellung kann bei der Ellenbogen-MRT zusätzlich Kontrastmittel appliziert werden. Dies wird Ihr behandelnder Arzt jedoch vorab mit Ihnen besprechen. 

In manchen Fällen ist eine MRT-Untersuchung unmöglich, beispielsweise, wenn Sie metallische Implantate haben, die nicht MRT-tauglich sind oder größere Tätowierungen und Permanent-Make-Up, wenn hierfür metallhaltige Farben verwendet wurden. Auch hierüber wird Ihr behandelnder Arzt vorab mit Ihnen sprechen. Vor der Untersuchung müssen sie außerdem sämtliches Metall in Form von Brillen, Schmuck, Piercings, Gürtelschnallen, BH-Bügel etc. ablegen. 

Quellen

  • Janßen, R., Falkowski, A. L., & Hirschmann, A. (2018). Band- und Sehnenverletzungen des Ellenbogens in der Magnetresonanztomographie. Radiologe, 58(11), pp. 996-1003. doi:10.1007/s00117-018-0441-1  
  • Burgener, F. A., Meyers, S. P., Tan, R. K., & Zaunbauer, W. (2022). Differenzialdiagnostik in der MRT (1. Auflage.). Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG. 
  • Reiser, M., Debus, J., & Kuhn, F. (2011). Duale Reihe Radiologie (3. Aufl.). Georg Thieme Verlag KG.