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MRT Darm

Diagnostischer Meilenstein -  MRT des Darms

Ziehen, Krampfen, Grummeln – Mit dem MRT des Darms können diese Beschwerden frühzeitig erkannt werden. Bauchschmerzen können sich auf verschiedenste Art und Weise äußern und sind für viele Menschen ein häufiger Alltagsbegleiter. Sie gehören sie zu den häufigsten Symptomen in Praxis und Klinik. Die Prävalenz der Bauchschmerzen ist unter allen Bevölkerungsgruppen und in allen geographischen Regionen der Welt gleich hoch.

Rund 50% der Erwachsenen leiden regelmäßig darunter. Etwa 5-10% aller Notaufnahmen erfolgen aufgrund von Bauchschmerzen. Doch trotz umfangreicher Untersuchung und Diagnostik bleibt in 35-51% der Fälle die Ursache für die Schmerzen unklar.

MRT Darm

So unterschiedlich sich Bauchschmerzen äußern können, so vielfältig sind auch ihre Ursachen. Liegt der Schmerz unterhalb des Bauchnabels, geht er meist vom Dünn- oder Dickdarm aus. Meist kann Ihr Arzt schon aus dem klinischen Untersuchungsbefund eine Diagnose stellen, doch je nach Einzelfall können weitere diagnostische Maßnahmen – wie bildgebende Untersuchungen – folgen.

Die radiologische Diagnostik von Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms wurde in den letzten beiden Jahrzehnten einem dramatischen Wandel unterzogen. Insbesondere die Entwicklung der Schnittbildverfahren ermöglichte eine deutlich breitere radiologische Abklärung abdomineller Erkrankungen. Aufgrund ihrer Präzision und ihres Detailreichtums, hat insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT) des Dünn- und Dickdarms zunehmende Bedeutung gewonnen.

Strahlenfreier Blick ins Körperinnere: Die MRT des Darms

Bei der MRT kann das Körperinnere - MRT im Gegensatz zum konventionellen Röntgen und zur Computertomographie (CT) - gänzlich ohne den Einsatz von Röntgenstrahlen dargestellt werden. Stattdessen werden mittels starker Magnetfelder und Radiowellen schichtweise Bilder des Körperinneren aufgenommen. Diese können anschließend am Computerbildschirm betrachtet werden, was einen dreidimensionalen Eindruck vermittelt.

Die MRT des Darms besticht durch ihr Detailreichtum und den hohen Weichteilkontrast, was bei der Untersuchung des Darms von großer Bedeutung ist. Insbesondere die Entwicklung ultraschneller Sequenzen mit kürzeren Aufnahmezeiten hat die strahlungsfreie radiologische Abklärung von Darmerkrankungen deutlich verbessert.

Vorteile gegenüber den klassischen endoskopischen Methoden liegen in der gleichzeitigen Abbildung von Darmlumen, Darmwand, den umgebenden Strukturen sowie der anderen Bauchorgane. Die fehlende Strahlenbelastung ist besonders bei Kindern, bei Schwangeren und Patienten mit chronischen Darmerkrankungen von signifikanter Bedeutung.

Virtuelle Innovationen: Die MR-Kolografie und -Defäkografie

Neben der konventionellen MRT des Darms, können auch speziellere Techniken bei der Diagnostik von Darmbeschwerden zum Einsatz kommen. Bei der virtuellen MR-Kolografie werden MRT-Schnittbilder angefertigt und mittels Rekonstruktionsverfahren zu einer dreidimensionalen Darstellung des Dickdarmlumens und der Dickdarmwand zusammengesetzt.

Dies ermöglicht eine Betrachtungsweise ähnlich der Bilder bei einer klassischen Darmspiegelung. Doch im Gegensatz zur konventionellen Darmspiegelung können bei der MR-Kolografie auch die anderen Organe des Bauchraumes dargestellt werden. Vor der Untersuchung ist allerdings ebenfalls eine Darmreinigung notwendig, da Stuhlreste die Beurteilbarkeit erschweren. Zudem wird während der Untersuchung in der Regel auf Körpertemperatur erwärmtes Wasser verwendet, um eine Darmdehnung zu erreichen, was die sichere Unterscheidung von Darmwand und Darmlumen ermöglicht.

Bei der MR-Defäkografie handelt es sich um eine dynamische Untersuchung des Beckenbodens und seiner Organe. Hierfür wird zunächst rektal Kontrastmittel appliziert. Anschließend wird der Patient aufgefordert, aus der Ruheposition heraus abwechselnd den Beckenboden anzuspannen, zu entspannen und zu pressen sowie schließlich das Kontrastmittel zu entleeren. Die Untersuchung ermöglicht die Beurteilung der Beckenbodenbeweglichkeit und des Schließmuskels.

Indikationen für eine MRT des Darms

Prinzipiell dienen MRT-Untersuchungen des Darms insbesondere der Beurteilung folgender Aspekte:

  • gleichmäßiges Faltenrelief und gleichmäßige Haustrierung der Darmwand
  • Wandverdickungen oder Wandaussackungen
  • Lumeneinengungen oder prästenotische Dilatationen
  • tiefe Ulzera oder Fissuren
  • mögliche Kontrastmittelaufnahme der Darmwand
  • veränderte Lymphknoten

Die häufigste Indikation für die MRT des Darms ist die Abklärung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Dabei dient die MRT der initialen Diagnosestellung, aber darüber hinaus auch der genauen Bestimmung von Anzahl, Länge und Lokalisation der betroffenen Segmente.

Außerdem zählen Tumorsuche und -staging zu den Indikationen der MRT des Dünn-/Dickdarms. Der hohe Weichteilkontrast der MRT ermöglicht dabei eine bessere Abgrenzbarkeit auch kleiner polypoider Läsionen, was sie zu einem der CT überlegenen Verfahren macht. Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit funktioneller Bildgebung und verschiedene Tumorarten lassen sich aufgrund ihres unterschiedlichen aber spezifischen Signalverhaltens in der MRT besser detektieren und zuordnen. Insbesondere bei einer familiären Vorbelastung und zur Vorsorge von Dickdarmkrebs wird die MRT eingesetzt.

Auch in der Abklärung eines Darmverschlusses kann eine MRT hilfreich sein. Insbesondere bei einem inkompletten Verschluss hat die MRT durch die anatomische und funktionelle Information sowie die Beurteilungsmöglichkeit eines Darmsegments über mehrere Zeitpunkte innerhalb einer Untersuchung Vorteile gegenüber der CT. Mittels der MRT kann so meist zuverlässig zwischen gutartigen und bösartigen Ursachen für einen inkompletten Darmverschluss unterschieden werden.

In der Diagnostik akuter Beschwerden ist allerdings nach wie vor die CT aufgrund der schnellen und robusten Bildakquisition Verfahren der Wahl.

Die virtuelle MR-Kolografie wird überwiegend zur Detektion von Polypen und Karzinomen im frühen Stadium durchgeführt. Allerdings ist dabei keine zeitgleiche Biopsie oder Polypenentfernung möglich, weshalb sie die herkömmliche Darmspiegelung nicht vollständig ersetzen kann.  Daher wird sie insbesondere angewendet, wenn eine konventionelle Koloskopie nicht möglich ist.

Die MR-Defäkografie wird vor allem zur Diagnostik bei jeglichen Formen der Beckenbodeninsuffizienz eingesetzt sowie zur genaueren Abklärung bei Senkungen und Einklemmungen von Organen im Beckenboden – wie Rekto-, Zysto- und Enterozelen.

Entscheidende Vorbereitung: So läuft eine MRT des Darms ab

Für eine optimale Beurteilung des Darmlumens müssen sie vor der MRT-Untersuchung eine Darmreinigung durchführen. Dafür müssen sie beginnend am Abend vor der MRT-Untersuchung ca. 1-2 Liter einer abführenden Flüssigkeit trinken. Anschließend sollten sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unter Vermeidung von Milchprodukten, Fruchtsäften oder kohlensäurehaltigen Getränken achten und zudem ca. 12 h vor der Untersuchung nüchtern bleiben.

Eine Stunde vor der Untersuchung müssen sie für eine Untersuchung des Dünndarms dann etwa 1–2 Liter einer Kontrastmittel-Lösung trinken, wodurch der Darm aufgedehnt wird und zusätzlich der Kontrast zwischen Darmwand und Darmlumen verbessert wird.

Alternativ kann das Kontrastmittel auch über eine nasojejunale Sonde zugeführt werden. Hierüber werden sie aber gemeinsam mit Ihrem behandelndem Arzt im Einzelfall entscheiden. Bei einer Untersuchung des Dickdarms wird das Kontrastmittel rektal verabreicht. Bei der MRT kommt hier hauptsächlich Wasser zum Einsatz.

Um die Darmbewegungen zu reduzieren, können zusätzlich spasmolytische Medikamente - wie beispielsweise Butylscopolamin oder Glukagon – verabreicht werden.

Für die MRT des Darms liegen sie in der Regel in Bauchlage auf einer Liege, welche anschließend in die MRT-Röhre gefahren wird. Der zu untersuchende Abschnitt – in diesem Fall der Unterbauch – sollte sich dabei immer in der Mitte des Gerätes befinden.

Die Untersuchung dauert normalerweise rund 30 Minuten. Sie ist gänzlich schmerzfrei, jedoch kommt es durch die starken Magnetfelder während der Untersuchung zu lauten Klopfgeräuschen. Damit die Geräuschkulisse für Sie so gering wie möglich bleibt, bekommen Sie allerdings während der Untersuchung Ohrstöpsel und Kopfhörer.

Doch nicht immer kann die MRT-Untersuchung durchgeführt werden. Metallische Implantate, wie beispielsweise Herzschrittmacher und Defibrillatoren, die nicht MRT-​tauglich sind, können die Untersuchung unmöglich machen. Sämtliches sonstiges Metall wie Brillen, Uhren, Schmuck, Haarnadeln, Piercings, Kleidung mit Gürtelschnallen, BHs mit Bügeln etc. müssen sie vor der Untersuchung ablegen. Auch bei starker Angst vor engen Räumen (sog. Klaustrophobie) sowie bei Unfähigkeit, Kontrastmittel oral oder über eine nasogastrale Sonde zu tolerieren oder einer Schwangerschaft im 1. Trimenon ist die MRT kontraindiziert.

Quellen

Referenzen:

  • Grützner G, Schmid-Tannwald C. Radiologische Methoden. In: Reiser M, Kuhn F, Debus J, Hrsg. Duale Reihe Radiologie. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017.
  • Scharitzer, M., Ba-Ssalamah, A. Moderne MRT des Dünndarms. Radiologe 55, 1067–1076 (2015). https://doi.org/10.1007/s00117-015-0034-1
  • Adam, B. (2008). Gastroenterologie in Klinik und Praxis: Das Referenzwerk für Klinik und Praxis. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
  • https://aristra.de/untersuchungen/mrt-darm/ (zuletzt zugegriffen am 25.07.2022)
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