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Lungenembolie

Lungenembolie – ein gefährlicher Verschluss

Eine Lungenembolie ist allgemein als gefährliche Krankheit mit oft tödlichem Ausgang bekannt. Doch was genau ist eigentlich eine Lungenembolie?

Als Lungenembolie wird ein akuter Verschluss einer Lungenarterie bezeichnet, der durch das Einschwemmen eines abgelösten Gerinnsels, das als Thrombus bezeichnet wird, ausgelöst wird. Hierdurch wird der betroffene Teil der Lunge unzureichend oder gar nicht mehr durchblutet. Dies bewirkt, dass weniger Austauschfläche zwischen Blut und den Lungenalveolen vorhanden ist, wodurch die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff vermindert wird.

Außerdem kommt es zu einer plötzlichen Erhöhung des Widerstandes im Lungenkreislauf, sodass das Herz mehr Arbeit leisten muss. Die verminderte Durchblutung des Lungengewebes kann außerdem zu kleinen Infarkten führen, wodurch das Lungengewebe nachhaltig geschädigt und eine Lungenembolie begünstigt wird.

Etwa 100 bis 200 Menschen pro 100.000 Einwohnern erleiden in Deutschland eine Lungenembolie. Bei einer fehlenden Behandlung liegt die Sterblichkeit bei etwa 30 %. Mit einer Behandlung versterben etwa 1-2 % der Betroffenen.

Vom Bein kommend - die Ursachen der Lungenembolie

Ursachen einer Lungenembolie sind das Einschwemmen eines venösen Gerinnsels (Thrombus), welches aus einer Thrombose einer anderen Stelle stammt. Mit über 90 % der Fälle sind tiefe Beinvenenthrombosen die häufigste Lokalisation. Seltener stammt der Embolus auch von der oberen Hohlvene, bspw. nach Einlage eines zentralen Venenkatheters oder aus dem rechten Herzen aufgrund eines Schrittmacherkabels.

Eine tiefe Beinvenenthrombose kann vielerlei Ursachen haben. Das höchste Risiko für die Entwicklung einer solchen liegen in einer Immobilisation, wie beispielsweise bei längeren Flugreisen oder im Rahmen eines stationären Aufenthaltes. Aber auch Gerinnungserkrankungen oder Krebserkrankungen können zu einer tiefen Beinvenenthrombose und damit zu einer Lungenembolie führen.

Teile der Thrombose können sich als Thromben ablösen und über den Blutkreislauf weggeschwemmt werden. Sobald dann das nachfolgende Gefäßsystem kleiner wird als der Thrombus, verschließt sich dieses, was zu einer Embolie führt. Bei einer Thrombose der Beinvenen würde der Thrombus über die untere, großlumige Hohlvene zum rechten Herzen fortgeleitet werden. Von dort aus fließt es dann in die Lunge, wo es zu einem Verschluss, also einer Lungenembolie, kommt.

Wenn die Luft wegbleibt – die Symptome einer Lungenembolie

Die Symptome einer Lungenembolie können sehr variabel sein und sind abhängig davon, ob nur ein kleiner Gefäßast von einem Verschluss betroffen ist oder einer oder beide Hauptstämme der Pulmonalarterien. Es gibt jedoch im Gegensatz zum Herzinfarkt, keine großen Unterschiede bei Männern und Frauen.

Sind nur relativ kleine Lungengefäße von der Embolie betroffen, kann eine Lungenembolie auch komplett ohne Symptome ablaufen. Meistens kommt es hier zu relativ unspezifischen klinischen Ausprägungen wie Schwindel, Herzrasen und Fieber. Treten solche Symptome auf, ist eine sofortige Verständigung des Rettungsdienstes angeraten.

Sind größere Gefäße betroffen, sind die Symptome einer Lungenembolie meistens ausgeprägter. Die meisten Betroffenen leiden hierbei unter einer akut einsetzenden Luftnot, die von einer erhöhten Atemfrequenz sowie einem erhöhten Puls begleitet wird. Weiterhin leiden mehr als die Hälfte unter Brustschmerzen. Seltener kommt es zu Husten, zum Teil auch mit Auswurf von Blut, Ohnmachtsanfällen bis hin zum Schock.

Das Risiko an einer Lungenembolie zu Versterben wird anhand verschiedener diagnostischer und klinischer Marker stratifiziert. Ein hohes Risiko besteht, wenn sowohl ein Schock bzw. niedriger Blutdruck, eine Dysfunktion des rechten Herzens sowie der Nachweis von Troponin im Blut positiv ist. Letzteres ist ein Marker für die Schädigung des Herzmuskels. Bestehen nur ein bis zwei dieser Faktoren, spricht man von einem intermediär hohen bzw. niedrigen Risiko. Ein niedriges Risiko besteht, wenn keine der Faktoren bestehen.

Folgen einer Lungenembolie sind ebenso wie die Klinik von dem Ausmaß der betroffenen Gefäße abhängig. Sie reichen von Lungeninfarkten mit Lungenentzündungen, dauerhafte Belüftungsstörungen der Lunge, einem erhöhten Rezidivrisiko bis hin zu einem Rechtsherzversagen mit Kreislaufstillstand. Letztendlich hängt der Verlauf zusätzlich auch vom Alter, dem allgemeinen Gesundheitszustand, bestehenden Vorerkrankungen sowie der Dauer bis zum Behandlungseintritt ab.

Geht’s auch strahlenfrei? Diagnostik der Lungenembolie

Liegt der Verdacht auf eine Lungenembolie vor, kommen verschiedene diagnostische Mittel zum Einsatz. Meist erfolgt zunächst eine Blutabnahme, in der die sogenannten D-Dimere bestimmt werden. Hierunter versteht man ein Spaltprodukt, das im Rahmen der Blutgerinnung entsteht und bei Thrombosen erhöht vorliegt.

Außerdem wird eine Blutgasanalyse durchgeführt, in der sich bei Vorliegen einer Lungenembolie erhöhte Partialdrücke für Kohlendioxid sowie verminderte für Sauerstoff zeigen. Auch im EKG sind typische Veränderungen möglich.

Zeigen diese Voruntersuchungen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Lungenembolie, erfolgt die Bildgebung zum Nachweis des Gerinnsels. Diese erfolgt über eine Angiographie, die mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie durchgeführt wird.

Die Vorteile der CT-Angiographie im Zuge einer Lugnenembolie liegen in der kurzen Dauer der Untersuchung sowie dem sicheren Nachweis selbst kleinster Gefäßverschlüsse. Nachteilig ist der Einsatz von Kontrastmittel , der ggfs. zu Nierenschäden führen kann und Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion von der Untersuchung ausschließt. Weiterhin hat die Untersuchung eine hohe Strahlenbelastung und sollte daher insbesondere bei jungen Frauen nicht erfolgen, da eine erhöhte Brustkrebsgefahr Folge sein kann.

Die MR-Angiographie kommt im Gegensatz zur CT gänzlich ohne Strahlenbelastung aus. Hierdurch kann das Verfahren neben jungen Frauen auch in Notfallsituationen bei Schwangeren Betroffenen erfolgen. Ebenfalls ist das eingesetzte MR-Kontrastmittel mit weniger Nebenwirkungen behaftet und weist auch geringere Kontraindikationen auf. Durch technische Weiterentwicklungen ist die räumliche Auflösung der MRT bei geringeren Untersuchungsdauer verbessert worden.

Hierdurch ist ebenfalls die Darstellung kleinerer Gefäßverschlüsse, die bei einer möglich. Neben der Darstellung der Blutversorgung ist mittels MRT auch die Darstellung der Lungenperfusion möglich. Durch die Kombination beider Verfahren hat die MRT eine vergleichbare Genauigkeit wie die CT.

Die Gerinnung machts – Therapie der Lungenembolie

Die Therapie der Lungenembolie richtet sich nach der oben genannten Risikoklassifikation des Letalitätsrisikos. Bei stabilen Patienten bis zu einem intermediär Risiko erfolgt die Therapie mittels gerinnungshemmender Medikation (Antikoagulation).

Diese erfolgt circa drei bis sechs Monate. Bei einem erhöhten Risiko für eine erneute Thrombose kann diese aber auch länger erfolgen. Meistens sind sie jedoch gut behandelbar und heilen folgenlos wieder aus.

Instabile Patienten, die ein hohes Letalitätsrisiko haben erhalten eine sogenannte Rekanalisationstherapie. Hierunter versteht man die Wiederherstellung des Blutflusses durch Auflösung des Gerinnsels. Je nach Risikofaktoren kann diese medikamentös, über einen Katheter oder auch operativ erfolgen. Welches Verfahren letztendlich durchgeführt wird, wird individuell entschieden.

Quellen

Referenzen:

  • Reiser M, Kuhn F, Debus J, Hrsg. Duale Reihe Radiologie. 4. vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017.
  • Aumüller G, Aust G, Engele J, Kirsch J, Maio G, Duale Reihe Anatomie. 5. Vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.h
  • Herold, G. Innere Medizin. Ausgabe 2022. Köln: DeGruyter; 2022.
  • Fink, C. et al., MRT der akuten Lungenembolie, Radiologe 2007 · 47:708–715 DOI 10.1007/s00117-007-1532-6 Online publiziert: 4. August

 

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