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Hart getroffen – die Gehirnerschütterung

Ein Zusammenprall beim Sport, ein Unfall im Haushalt, ein Sturz vom Fahrrad – und schon ist es passiert. Der Kopf bekommt einen Schlag ab und anschließend lautet die Diagnose: Gehirnerschütterung. Doch wie genau kommt es dazu, wie lässt sie sich feststellen und wie behandeln – einen Überblick bekommen Sie in folgendem Artikel.

Glück im Unglück: die leichteste Form der Gehirnerschütterung

Als Schädel-Hirn-Trauma bzw. Gehirnerschütterung bezeichnet man allgemein die Folge einer Gewalteinwirkung, die zu einer Funktionsstörung und/oder Verletzung des Gehirns führt. Das Schädel-Hirn-Trauma kann je nach Schweregrad mit einer Prellung oder Verletzung der Kopfschwarte, des knöchernen Schädels, der Gefäße und der Dura, der harten Hirnhaut, einhergehen. Eine Verletzung des Kopfes ohne Beeinträchtigung des Gehirns bezeichnet man hingegen als Schädelprellung.

Insgesamt lassen sich drei Schweregrade unterscheiden: leicht, mittelschwer und schwer. In Deutschland erleiden jährlich etwa 332 Patienten pro 100.000 Einwohnern eine Schädelhirnverletzung. Davon sind 91 % als leicht, 4 % als mittel und 5 % als schwer einzustufen. Als Gehirnerschütterung bezeichnet man ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, was gleichzeitig auch die häufigste Unterform darstellt.

Meist entsteht eine Gehirnerschütterung durch einen stumpfen Schlag gegen den Kopf oder einen Aufprall. Dabei stößt das Gehirn von innen gegen die Schädelwand und wird so „erschüttert“. Typische Ursachen hierfür sind beispielsweise Stürze – insbesondere im häuslichen Umfeld, – aber auch nach Verkehrs- oder Sportunfällen sowie gewalttätige Auseinandersetzungen.

Kopfsache – diese Beschwerden ruft eine Gehirnerschütterung hervor

Meist verursacht eine Gehirnerschütterung sehr typische Symptome, das individuelle Ausmaß kann allerdings unterschiedlich sein. Die Beschwerden können unmittelbar nach dem auslösenden Ereignis eintreten, manchmal aber auch erst Stunden später. Folgende subjektiv wahrnehmbare Anzeichen können auf eine Gehirnerschütterung hinweisen:

  • Kurzzeitige Störung des Bewusstseins bis hin zur Bewusstlosigkeit, allerdings weniger als 15 Minuten
  • Erinnerungslücke sowohl Zeitpunkte vor als auch nach dem auslösenden Ereignis betreffend, jedoch weniger als 24 Stunden
  • Kopf- und Nackenschmerzen
  • Benommenheitsgefühl oder Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Depressive Verstimmungen und Schlafstörungen

Normalerweise klingen diese Beschwerden innerhalb von etwa einer Woche ab. Dauerschäden sind bei einer Gehirnerschütterung in der Regel nicht zu erwarten. Wie schnell sich jemand im Einzelfall allerdings erholt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Entscheidend sind dabei aber die Dauer der Bewusstlosigkeit und das Alter der betroffenen Person.

 Gehirnerschütterung - Der Weg zur Diagnose

Wenn Sie nach einem Sturz oder einer sonstigen Kopfverletzung mögliche Symptome einer Gehirnerschütterung bemerken, sollten sie schnellstens einen Arzt bzw. ein Krankenhaus aufsuchen. Dort werden Sie zunächst kurz – soweit möglich – zum Unfallhergang und Ihren Beschwerden befragt und dann zügig körperlich untersucht. Um die Schwere Ihres Schädel-Hirn-Traumas zu beurteilen wird nach einer Checkliste, der sogenannten Glascow Coma Scale, vorgegangen. Dabei wird Folgendes getestet:

  • Ob und wie schnell Sie Ihre Augen öffnen
  • Ihre Konversationsfähigkeit
  • Ihre motorischen Reaktionen auf bestimmte Stimulationen, wie beispielsweise Schmerzreize

Außerdem werden Sie nach Ihrem Namen, dem Datum und dem Ort, an dem Sie sich befinden, gefragt. Auf diese Weise kann Ihre Bewusstseinslage eingeschätzt werden.

Anschließend werden Sie noch allgemein-körperlich untersuchet, um Verletzungen zusätzlich zur Gehirnerschütterung – insbesondere an der Halswirbelsäule – auszuschließen. Werden Knochenbrüche vermutet, werden zusätzlich Aufnahmen von Ihrem Schädel und Ihrer Halswirbelsäule mittels Computertomografie (CT) erstellt. Je nach Schweregrad der Verletzungen können dann weitere Untersuchungen wie zum Beispiel die Messung der elektrischen Hirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) oder spezieller augen- oder HNO-ärztliche Untersuchungen notwendig sein. Zusätzlich kann Ihr behandelnder Arzt auch noch Blut abnehmen und verschiedene laborchemische Werte wie ein Blutbild und Gerinnungsparameter bestimmen lassen.

Erholung fürs Gehirn: Das können Sie nach einer Gehirnerschütterung tun

Bei leichten Kopfschmerzen können diese mit Schmerzmitteln wie Paracetamol behandelt werden. Medikamente wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac sollten allerdings in den ersten drei Tagen nach der Verletzung aufgrund des Risikos einer Blutung vermieden werden. Bei Nackenschmerzen können zusätzlich physiotherapeutisch angeleitete Bewegungs- und Kräftigungsübungen sowie Kälte- oder Wärmetherapie hilfreich sein. Gegebenenfalls kann dies durch eine medikamentöse Therapie mit Muskelrelaxantien ergänzt werden. Eine längere Immobilisation sollte allerdings vermieden werden. Sollten Sie unter Übelkeit infolge einer Gehirnerschütterung leiden, können auch sogenannte antiemetische Medikamente wie Metoclopramid helfen.

Patienten mit einer Gehirnerschütterung wird zudem geraten, folgende Aktivitäten in der Zeit nach der Verletzung zu vermeiden:

  • Längeres Fernsehen oder Lesen
  • Computerspiele
  • Alkoholkonsum
  • Sportliche Aktivitäten, die das Risiko einer erneuten Kopfverletzung bergen wie z.B. Ball- oder Kontaktsportarten und Skifahren

Außerdem sollten Betroffene während der Genesung einer Gehirnerschütterung am besten von Personen betreut werden, die sich mit dieser Erkrankung auskennen. Entscheidend ist dabei auch, sich bei einer Verschlechterung Ihres Zustandes oder beim Auftreten neuer Symptome sofort wieder beim Arzt vorzustellen. Je nach Schweregrad Ihrer Beschwerden und je nach Unfallhergang, können Sie aber auch vorsorglich zur Beobachtung für 24 Stunden im Krankenhaus aufgenommen werden. Dies dient insbesondere dazu, mögliche Komplikationen – wie beispielsweise eine Hirnblutung – frühzeitig zu erkennen und so Folgeschäden vorzubeugen. Akute Komplikationen sind allerdings bei einer leichten Gehirnerschütterung eher selten, v. a. bei Patienten, deren neurologische Untersuchung und Hirnscans unauffällig waren.

Quellen

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