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Blutuntersuchung - Was sagen mir die verschiedenen Blutwerte?

Die Blutabnahme und anschließende Untersuchung im Labor ist ein Routineverfahren, denn unsere Blutwerte verraten viel über den Zustand unseres Körpers. Daher werden sie vielfältig zur Diagnostik, aber auch zur Verlaufskontrolle von Erkrankungen erhoben.

In unserem Körper arbeiten verschiedenste Organsysteme auf komplexe Art und Weise zusammen. Je nachdem welcher Blutwert von der Norm abweicht, kann dies bereits ein entscheidender Hinweis darauf sein, wo gerade etwas im Argen ist. Auch im Rahmen von Check-up-Untersuchungen, die gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre kostenlos zur Verfügung stehen, werden verschiedene Blutwerte ermittelt.

Doch für Menschen ohne medizinische Ausbildung kann es oftmals zur Herausforderung werden, bei den zahlreichen Fachbegriffen und Abkürzungen, den eigenen Laborbefund richtig zu verstehen.

Der folgende Artikel soll Ihnen dabei eine Hilfestellung sein, einen Überblick über die verschiedenen Blutwerte und deren die Bedeutungen zu gewinnen.

Kleines und großes Blutbild

Ein erster Schritt um Ihr Blut unter die Lupe zu nehmen ist oftmals das sogenannte Blutbild. Dabei werden die verschiedenen Zellen in unserem Blut genauer untersucht – insbesondere hinsichtlich ihrer quantitativen Verteilung und ihrer Morphologie. Dies kann Hinweise auf Infektionen oder Entzündungen geben, aber auch vor Operationen relevant sein. Heutzutage erfolgt die Bestimmung dieser Werte überwiegend durch automatische Hämatologiegeräte. Je nachdem, welche Blutwerte dabei erhoben werden, unterscheidet man das kleine und das große Blutbild sowie das Differentialblutbild.

Kleines Blutbild

Das kleine Blutbild erfasst verschiedene Zellen, es beinhaltet:

  • BErythrozyten: Als Erythrozyten bezeichnet man die roten Blutkörperchen. Sie sind für den Sauerstofftransport im Blut zuständig.
  • Hämoglobin: Das Hämoglobin ist der eisenhaltige, rote Farbstoff in den Erythrozyten. Ist dieser Wert erniedrigt, kann das ein Hinweis auf eine Blutarmut sein.
  • Hämatokrit: Der Hämatokrit-Wert gibt den relativen Volumenanteil der zellulären Elemente im Blut an. Üblicherweise wird er in Prozent angegeben.
  • MCV: Das durchschnittliche Volumen der Erythrozyten bezeichnet man als mittleres korpuskuläres Volumen – abgekürzt MCV. Ist dieser Wert erniedrigt bedeutet das, dass die Erythrozyten kleiner sind. Häufig wird dies bei Anämien beobachtet.
  • MCH: Der mittlere korpuskuläre Hämoglobingehalt, kurz MCH, steht für die absolute Menge an Hämoglobin in einem Erythrozyten. Ein erniedrigter Wert kann ebenfalls Hinweis auf eine Anämie sein.
  • MCHC: Der MCHC-Wert ist der Quotient aus MCH und MCV und gibt damit die mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration an.
  • Leukozyten: Die weißen Blutkörperchen bezeichnet man in ihrer Gesamtheit als Leukozyten. Damit umfasst dieser Wert die Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Die Bestimmung erfolgt insbesondere zur Diagnostik und Verlaufskontrolle von entzündlich-infektiösen Erkrankungen.

Differentialblutbild

 Im Differentialblutbild werden die Leukozyten noch genauer differenziert und es werden die absolute Anzahl und der relative Anteil der verschiedenen Zelltypen bestimmt. Dies umfasst die neutrophilen, basophilen und eosinophilen Granulozyten sowie Monozyten und Lymphozyten. Ein Differentialblutbild kann vor allem zur Abklärung von Infektionen, Autoimmunerkrankungen aber auch von Rheuma und bösartigen Erkrankungen wie Leukämien angefertigt werden.

Großes Blutbild

Beim großen Blutbild werden alle Blutwerte des kleinen Blutbildes und des Differentialblutbildes bestimmt. Darüber hinaus werden noch die Blutplättchen, die Thrombozyten genauer untersucht. Diese sind für die Blutstillung essentiell. Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss kann problematisch sein, da es entweder vermehrt zu Blutungen kommt oder erhöhte Thromboseneigung besteht.

Sind im Blutbild der Hämoglobin-Wert (abgekürzt: Hb) oder der Hämatokrit erniedrigt spricht man von einer Anämie – einer Blutarmut. Eine der häufigsten Ursachen hierfür ist ein Eisenmangel. Daher wird Ihr Arzt im Zweifelsfall einige weitere Parameter bestimmen lassen, um dies abzuklären. Besonders relevant ist dabei der Ferritin-Wert. Dieser Wert korreliert mit dem im Körper vorhandenen Speichereisen. Selbst bei einem latenten Eisenmangel ist dieser Wert oftmals bereits erniedrigt.

Blutwerte im Detail: Entzündungswerte

Besteht der klinische Verdacht auf eine Entzündung, gibt es einige Laborparameter, die im Blut bestimmt werden können, um dies zu bestätigen. Allerdings sind die einzelnen Entzündungswerte selten besonders spezifisch, sodass immer mehrere Werte zur Beurteilung herangezogen werden sollten.

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein Plasmaprotein, das in der Leber gebildet wird und bei Aktivierung des Immunsystems im Rahmen von entzündlichen Prozessen vermehrt gebildet wird. Meist steigt der Wert bereits 6 bis 8 Stunden nach einer Infektion an, eine sichere Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infektionen ist anhand des CRP-Wertes jedoch nicht möglich. Das CRP hat allerdings eine kurze Halbwertszeit und eignet sich daher besonders gut als Verlaufsparameter bei entzündlichen Erkrankungen.

Zusätzlich können die Leukozyten bestimmt werden, die der Abwehr von Krankheitserregern dienen und bei Entzündungen in der Regel ebenfalls erhöht sind. Darüber hinaus kann der Procalcitonin-Wert, abgekürzt PCT, erhoben werden. Dies wird ebenfalls bei entzündlichen Geschehen aus bisher nicht verstandenen Gründen vermehrt gebildet. Insbesondere bei bakteriellen Infektionskrankheiten wie beispielsweise auch einer Sepsis, dient das PCT als Marker.

Blutwerte im Detail: Leberwerte

Mithilfe der sogenannten Leberwerte lassen sich Zustand und Funktion der Leber genauer unter die Lupe nehmen und auch im Zeitverlauf überwachen. Dazu zählen die vier Leberwerte GPT, GOT, Gamma-GT und AP.

GPT bezeichnet die Glutamat-Pyruvat-Transaminase und GOT die Glutamat-Oxalacetat-Transaminase – Enzyme, die hauptsächlich in den Leberzellen vorkommen. Bei einer Zellschädigung werden diese freigesetzt und gelangen ins Blut. Dies kann beispielsweise bei einer Hepatitis, bei einer Fettleber oder Leberzirrhose aber auch bei Krebs oder toxischen Leberschäden der Fall sein. Zusätzlich kommen diese Enzyme aber auch in der Herz- und Skelettmuskulatur und im Gehirn vor. Dementsprechend kann beispielsweise auch ein Herzinfarkt ursächlich für erhöhte Werte sein.

Gamma-GT ist ein in allen Organen vorkommendes Enzym, weist jedoch bei einer Erhöhung fast immer auf eine Leberschädigung hin. Es ist eines der empfindlichsten Parameter bei Verdacht auf eine Leberschädigung. Die Alkalische Phosphatase, kurz AP, kommt prinzipiell in allen Körperzellen vor, ist aber in der Leber und in den Knochen von besonderer Bedeutung. Sie kann ebenfalls auf diverse Leber- und Gallenwegserkrankungen hinweisen, kann aber auch bei Beteiligung des Skelettsystems erhöht sein.

Blutwerte im Detail: Nierenwerte

Die Nierenwerte umfassen Stoffe, die indirekt Rückschlüsse auf die Funktionalität unserer Nieren zulassen. Dabei handelt es sich um im Blut gelöste Stoffwechselprodukte, die sich bei Nierenstörungen verändern.

Zentral ist hier das sogenannte Kreatinin. Dabei handelt es sich eigentlich um ein Endprodukt aus dem Muskelstoffwechsel. Normalerweise wird Kreatinin vollständig über die Niere ausgeschieden, doch sind diese beispielsweise bei einer Niereninsuffizienz in ihrer Funktion beeinträchtigt, sammelt sich das Kreatinin im Blut an. Der Wert kann damit sowohl der Diagnose als auch der Verlaufskontrolle von Nierenerkrankungen dienen, wobei ein erhöhter Wert im Blut meist schon auf eine schwere Nierenschädigung hinweist, da sich ein Kreatininanstieg in der Regel erst ab einer Verminderung der Nierenleistung von mehr als 50% zeigt.

Aus dem Kreatininwert lässt sich auch die sogenannte Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) berechnen – ein Wert, der das pro Zeiteinheit von den Glomeruli der Nieren filtrierte Volumen angibt und damit von zentraler Bedeutung zur Beurteilung der Nierenfunktion ist.

Blutwerte im Detail: Schilddrüsenwerte

Störungen der Schilddrüsenfunktion lassen sich an drei verschiedenen Werten ablesen: TSH, T3 und T4.

Das Thyreotropin-stimulating-hormone, TSH, wird in der Hypophyse gebildet und ausgeschüttet. Es stimuliert die Schilddrüse, Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) auszuschütten, wobei T3 außerhalb der Schilddrüse aus T4 gebildet wird. T3 und T4 steuern den Stoffwechsel, erhöhen den Energieumsatz im Körper und sorgen für Anpassungsreaktionen bei Aktivität und Kälte.

Aus diesen drei Werten lassen sich je nach individueller Konstellation sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion als auch eine -unterfunktion ablesen.

Blutwerte im Detail: Blutfettwerte

Die Blutfettwerte lassen Rückschlüsse auf die Menge verschiedenster Fette im Blut zu. Zu den wichtigsten Werten zählen die Triglyzeride und das Cholesterin.

Die Triglyzeride sind Energiespeicher im menschlichen Körper. Sie werden entweder mit der Nahrung aufgenommen oder vom Körper in der Leber produziert.

Das Cholesterin ist ein lebenswichtiger Baustein der Zellhülle und essentiell für die Produktion verschiedener Steroidhormone. Es gelangt ebenfalls entweder über die Nahrung in den Körper oder wird in der Leber produziert. Ist die Cholesterinmenge im Blut zu hoch, lagert es sich an den Gefäßwänden ab und für so zu Arteriosklerose. Da Cholesterin schlecht wasserlöslich ist, wird es zum Transport im Blut an Eiweiße gebunden. Daher lassen sich unter anderem das HDL- und das LDL-Cholesterin unterscheiden.

  • Das HDL ist für den Rücktransport von Cholesterin zur Leber verantwortlich und wirkt damit gefäßschützend
  • Dass LDL Cholesterin wird aus der Leber ins Gewebe transportiert und wirkt so gefäßschädigend .

Cholesterin- und Triglyzerid-Werte werden daher auch zur Bestimmung des individuellen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herangezogen.

Blutwerte im Detail: Blutzuckerwerte

Der Glukose aus unserer Nahrung wird über den Darm ins Blut aufgenommen. Von dort aus stellt sie Blutzucker die Energieversorgung unserer Zellen sicher. Doch bei verschiedenen Krankheitsbildern, wie z.B. dem Diabetes mellitus, kann dieses System gestört sein. Dann kann eine Bestimmung der Blutzuckerwerte sowohl diagnostisch als auch im weiteren Verlauf bedeutend sein. Die Messung sollte allerdings – wenn möglich – im nüchternen Zustand erfolgen. Zunächst lässt sich direkt der Glukosewert im Blut bestimmen. Ist dieser erhöht, kann das bereits ein erster Hinweis auf eine Zuckerkrankheit sein. Er unterliegt allerdings starken, tagesabhängigen Schwankungen und liefert daher immer nur eine Momentaufnahme.

Daher sollte zusätzlich der sogenannte HbA1c-Wert als Parameter für den Langzeitzucker erhoben werden. Dieser Wert beschreibt den Anteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin, das aufgrund eines Überangebots mit Glukose beladen ist. Gemessen an der mittleren Überlebensdauer der Erythrozyten, gibt dieser Wert Auskunft über die Stoffwechsellage der letzten 4-8 Wochen und ist damit insbesondere zur Verlaufskontrolle geeignet.

Weitere Blutwerte

Neben diesen klassischen und häufig erhobenen Blutwerten, lassen sich im Rahmen einer Blutuntersuchung noch unzählige weitere Werte bestimmen. Dabei wird sich Ihr Arzt an Ihrem individuellen Beschwerdebild orientieren, um gezielt geeignete Werte bestimmen zu lassen oder Sie an einen entsprechenden Facharzt zu überweisen. So vielfältig die Medizin ist, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten der Labordiagnostik – die angemessene Untersuchung ist daher oftmals eine Einzelfallentscheidung.

Quellen

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