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MRT Nerven

Hochgeschwindigkeitsleitungen unter der Lupe: Die MRT der Nerven

Unser ganzer Körper ist von Nerven durchzogen. Nun kann mittels des MRT der Nerven, Erkrankungen des peripheren Nervensystems frühzeitig behandelt werden.

Ohne unsere Nerven könnten wir weder denken, noch uns bewegen, sowie Schmerz oder Berührung empfinden. Die einzelnen Nervenzellen bestehen aus einem Zellkörper und unterschiedlich langen Fortsätzen – den Nervenfasern. Ein Nerv besteht dabei immer aus vielen Nervenfasern, die von einer Bindegewebshülle umgeben werden.

MRT Nerven

Doch wie kommunizieren unsere Nerven mit unserem Gehirn? Berührt uns beispielsweise jemand, breitet sich in diesem Bereich eine Welle elektrischer Impulse über die Nervenfasern und -zellen aus.

Dieser Impuls gelangt über eine bestimmte Anzahl an Nervenzellen schließlich ins Rückenmark, wo er an unser Gehirn weitergeleitet wird. Dort werden die Impulse und die damit verbundenen Informationen schließlich verarbeitet und bewusst wahrgenommen. Gehirn und Rückenmark bezeichnet man auch als zentrales Nervensystem, während das periphere Nervensystem (PNS) den übrigen Körper durchläuft. Besonders faszinierend ist, wie schnell unsere peripheren Nerven Impulse weiterleiten können.

Die Leitgeschwindigkeiten typischer menschlicher Nervenfasern liegen in einem Bereich von ca. 1 bis 100 m/s – was Spitzengeschwindigkeiten von rund 360 km/h entspricht. Kein Wunder, dass so ein Hochleistungssystem sehr sensibel für Störungen ist.

Buntes Bild: Typische Erkrankungen des peripheren Nervensystems

Bis zu 10% der neurologischen Krankheiten, die einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen, sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Das Spektrum dieser Erkrankungen ist umfassend: Dazu gehören neben den Kompressionsneuropathien, also chronischen Druckschädigungen peripherer Nerven – beispielsweise bei einer knöchernen Engstelle – auch die Nervenentzündungen, sogenannte Neuritiden. Sind mehrere Nerven gleichzeitig betroffen spricht man von einer Polyneuropathie.

Darüber hinaus zählen auch Tumorsyndrome des Nervensystems sowie traumatische Nervenverletzungen in Folge eines Unfalls zu den Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Dabei gilt für alle Krankheitsbilder: Eine schnelle und sichere Diagnosefindung ist für die Prognoseabschätzung, die Therapie und den weiteren Krankheitsverlauf wichtig.

Die Erkrankungen des peripheren Nervensystems können einen bunten Strauß unterschiedlichster Beschwerden hervorrufen. Doch zu den häufigsten Symptomen zählen:

  • Kribbelgefühle und Sensibilitätsstörungen insbesondere an den Extremitäten
  • motorische Ausfälle im Sinne eines Kraftverlustes
  • Druckempfindlichkeit peripherer Nerven (z.B. Wadendruckschmerz)
  • Stechende Schmerzen, ggf. an mehreren Stellen gleichzeitigt (Polyneuropathie)

In der Regel kann Ihr Arzt bereits aus dem Gespräch und der Beschreibung der Beschwerden diese grob verorten. Doch um die Lokalisation der Störung ganz genau zu bestimmen, bedarf es oftmals weiterer, diagnostischer Maßnahmen.

Indirekt vs. direkt – die Lokalisation neurologischer Ausfälle

Zur Abklärung neurologischer Beschwerden, die den Verdacht auf eine Erkrankung des peripheren Nervensystems wecken, werden Betroffene zunächst einmal körperlich-neurologisch untersucht. Daraus lassen sich meist schon erste Befunde ableiten die anschließend mit elektrophysiologischen Verfahren objektiviert werden. Dazu zählen beispielsweise die Elektroneurographie, ein Verfahren zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, die Messung evozierter Potentiale und die Elektromyographie, bei der die elektrische Aktivität der Muskelfasern direkt aus dem Muskel abgeleitet wird.

Doch sowohl bei der neurologischen Untersuchung als auch bei den elektrophysiologischen Verfahren, ist nur eine indirekte Lokalisation des Läsionsortes möglich. Bei der Untersuchung wird versucht, anhand des räumlichen Verteilungsmusters der Befunde indirekt auf Läsionsorte und Läsionsmuster zu schließen, was überwiegend auf detaillierter anatomischer Kenntnis basiert.

Auch bei der elektrophysiologischen Diagnostik können Nervenläsionen nur indirekt angegeben werden, eine punktpräzise Lokalisation ist schwierig. Zwar kann hier Lokalisationsschärfe erhöht werden, indem immer nur möglichst kleine Segmente untersucht werden, allerdings ist diese Technik in vielen anatomischen Regionen schwierig oder nicht möglich.

Doch genau diese diagnostische Lücke lässt sich mit der MR-Neurographie schließen. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie durch direkte visuelle Lokalisation den Ort von Nervenschädigungen sehr präzise angeben kann. Insbesondere folgende diagnostische Informationen kann die MR-Neurographie in vielen Fällen zusätzlich zu den bereits erhobenen klinisch-neurophysiologischen Befunden liefern:

  • punkpräzise Ortsbestimmung von Nervenläsionen im PNS (Läsionslokalisation),
  • sensitive und spezifische Erkennung von Nervenläsionen (Läsionsdetektion) und
  • Bestimmung der Anzahl und räumlichen Ausbreitung von Nervenläsionen in einem Umfang, der es häufig ermöglicht, ein repräsentatives Abbild der Grunderkrankung zu erstellen (Läsionsmuster).

Wunder der Technik: die MRT der Nerven

Die MR-Neurographie (MRN) ist ein auf der Magnetresonanztomographie (MRT) basierendes Verfahren zur Bildgebung der Nervenplexus und der peripheren Nerven. Bei der MRT werden mittels starker Magnetfelder und Radiowellen Bilder des Körperinneren aufgenommen.

Der Körper wird bei dieser Untersuchungsmethode schichtweise gescannt, sodass zunächst zahlreiche, präzise, zweidimensionale Schnittbilder in hoher Auflösung entstehen. Diese können anschließend am Computer übereinandergelegt, wodurch sich beim Betrachten ein dreidimensionales Bild ergibt.

Die MRT besticht ohnehin schon durch einen hohen Weichteilkontrast und ist damit den übrigen bildgebenden Verfahren häufig deutlich überlegen. Daher eignet sie sich insbesondere auch zur Beurteilung unserer Nerven. Zusätzlich werden dabei dezidierte MRT-Sequenzen und spezielle, flexible Oberflächenspulen angewandt, wodurch hochaufgelöste Bilder angefertigt werden können, die Einblicke in unser peripheres Nervensystem (PNS) ermöglichen.

Was lässt sich mittels MR-Neurographie beurteilen?

Prinzipiell erscheinen auf MR-Neurographie-Aufnahmen – insbesondere in der T2-Sequenz – heller als die von einer Läsion betroffenen Nervenfaszikel heller als das umliegende Gewebe und die übrigen Anteile des peripheren Nervs. Schon geringe Irritationen eines Nervs führen zu einer Aufhellung, ohne dass diese Beschwerden hervorrufen würden.

Dies stellt durchaus eine diagnostische Schwierigkeit dar, da solche „Läsionen“ auch ohne einen echten Krankheitswert bei Gesunden auftreten können. Die räumliche Genauigkeit und Spezifität dieser Aufhellung in der MR-Neurographie ist hoch, was in mehreren Studien gezeigt werden konnte.

Mit der MR-Neurographie lassen sich insbesondere folgende Aspekte eines peripheren Nervs beurteilen:

Die Kontinuität ist bei der Beurteilung traumatischer Nervenverletzungen vordringlich. Für die Therapieplanung ist essentiell, eine vollständige Nervendurchtrennung sicher zu erkennen, da hier nur durch eine nervenchirurgische Operation die Chance auf Regeneration besteht.

Das Nervenkaliber hingegen ist ein für die zugrunde liegenden Pathologie eher unspezifisches Kriterium, da die meisten Erkrankungen des PNS zu einer Kaliberauftreibung führen können. Besonders stark und örtlich begrenzt sind diese allerdings bei traumatischen Nervenläsionen und Tumoren, während sich eher langstreckige deutliche Kaliberveränderungen bei verschiedenen Polyneuropathien finden.

Die Gabe von Kontrastmitteln zur Identifikation von Läsionen ist in der Regel nicht notwendig. Wurde es dennoch eingesetzt, reichert es sich in geschädigten Nervenabschnitten an, was sich wiederum durch eine weitere Aufhellung auf dem MR-Aufnahmen zeigt. Besonders hilfreich kann die Kontrastmittel-Gabe jedoch im Einzelfall bei der Charakterisierung von Tumoren sein.

Schließlich lässt sich mit der MR-Neurographie das räumliche Muster der Nervenläsionen präzise beurteilen. Ob es sich nur um eine einzelne Läsion handelt, oder mehrere Schädigungen disseminiert vorliegen, lässt sich so meist sicher feststellen. Dies ist entscheidend um beispielsweise Kompressionsneuropathien von Polyneuropathien diagnostisch abzugrenzen. Auch die Lokalisation einer Läsion innerhalb des Nervenquerschnitts ist mittels MR-Neurographie möglich.

So läuft ein MRT der Nerven ab?

Eine MR-Neurographie dauert meist zwischen 45 und 60 Minuten und wird meist in Rückenlage durchgeführt. Da der zu untersuchende Abschnitt immer in der Mitte des Geräts sein muss, kann es je nach Lokalisation sein, dass sich auch Ihr Kopf in der MRT-Röhre befindet. Da bei der MR-Neurographie meist die Nerven einer Extremität langstreckig abgebildet werden sollen, kann es sein es während der Untersuchung mehrfach zu Unterbrechungen kommt, da sie umgelagert werden müssen.

Soll Kontrastmittel appliziert werden, wird Ihnen hierfür außerdem vorab ein venöser Zugang – meist in eine Vene der Armbeuge oder des Handrückens – gelegt. Während der Untersuchung müssen sie versuchen sich nicht zu bewegen, um eine bestmögliche Bildqualität zu erzielen.

Allerdings gibt es einige Faktoren, die eine MRT-Untersuchung unmöglich machen können. Hierzu zählen metallische Implantate, die nicht MRT-​tauglich sind, wie beispielsweise:

  • Herzschrittmacher und Defibrillatoren
  • Cochlea-​Implantate
  • Neurostimulatoren
  • implantierte Insulinpumpen
  • Blasenschrittmacher
  • diverse Gelenkprothesen bzw. Metallimplantate zur Knochenstabilisierung
  • Zahnimplantate
  • kupferne Verhütungsspiralen

Sollten Sie größere Tätowierungen oder Permanent-Make-up haben, wobei metallhaltige Farbstoffe verwendet wurden, können auch diese zum Problem werden, da sie sich stark erwärmen. Sonstiges Metall wie Brillen, Uhren, Schmuck, Haarnadeln, Piercings, Kleidung mit Gürtelschnallen, BHs mit Bügeln muss ebenfalls vor der Untersuchung abgelegt werden.

Quellen

Referenzen:

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