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Ermüdungsbruch 

Gestresste Knochen –  der Ermüdungsbruch 

Unsere Knochen sind das Stützwerk unseres Körpers und ermöglichen gleichzeitig zahlreiche Bewegungen. Doch belasten wir sie zu sehr, können sie müde werden und brechen – ein sogenannter Ermüdungsbruch bzw. eine Stressfraktur. Doch wie genau entsteht diese Verletzung, wie wird sie behandelt und wie lässt sie sich verhindern? 

Wie entstehen Ermüdungsbrüche – und bei wem? 

Ermüdungsbrüche sind eine häufige Verletzung bei ansonsten völlig gesunden Personen. Insbesondere Menschen, die intensiv Sport treiben, sind davon betroffen, doch auch infolge neuer, ungewohnter und vor allem wiederholter Aktivitäten kann es zu Ermüdungsbrüchen kommen. Unsere Knochen sind ein sehr dynamisches Gewebe, das sich dauerhaft im Umbau befindet. Parallel ablaufende Auf- und Abbauprozesse sorgen dafür, dass sich der Knochen bei außergewöhnlichen Belastungen optimal an diese neuen Kräfte anpasst, ohne dabei seine äußere Form zu verändern.   

Dafür wird bei zunehmendem physikalischem Stress etwa 3 Wochen nach der maximalen Knochenbelastung zunächst Knochensubstanz abgebaut, und die Lücken werden anschließend mit neuer Knochensubstanz aufgefüllt. Der Aufbauprozess dauert allerdings rund 90 Tage und geht deutlich langsamer vonstatten als der Abbau. Während dieser Zeit ist der betroffene Knochen dementsprechend geschwächt. Kommt es nun weiterhin zu einer übermäßigen Stressbelastung, sind die Kapazitäten unserer Reparaturmechanismen bald erschöpft und die Gefahr eines Ermüdungsbruchs steigt. Es kommt zu Mikroverletzungen und zur Ermüdung des Knochens, was schließlich zum Bruch führen kann. Die Stressfraktur beginnt meist als feiner Riss, der sich bei anhaltender Belastung zu einem Bruch ausweiten kann.  

Meist ist die untere Extremität von Ermüdungsbrüchen betroffen. Besonders häufig treten diese an Schienbein, Wadenbein oder Fußknochen auf. Risikogruppen sind Sportler und Militärrekruten. Bei den Sportlern sind insbesondere Läufer und Ballspieler, aber auch Ballerinas anfällig. Oftmals lässt sich aus der sportlichen Aktivität bereits eine prädestinierte Lokalisation für Ermüdungsbrüche ableiten. So erleiden beispielsweise Langstreckenläufer häufiger eine Fraktur am Oberschenkelhals oder Wadenbein, wohingegen Athleten mit Sprungaktivitäten wie beispielsweise Basketballer oder Hochspringer typischerweise von Frakturen des Fersenbeins und des Sprunggelenks betroffen sind. Insgesamt haben außerdem Frauen ein höheres Risiko für Stressfrakturen als Männer.  

So wird eine Ermüdungsbruch festgestellt 

Typisch für eine stressbedingte Knochenverletzung sind Schmerzen, die ohne Verletzung schleichend beginnen und bei körperlicher Aktivität zunehmen. Sie sind meist lokal begrenzt. In Ruhephasen hingegen bessern sich die Schmerzen wieder. Wird über dieses Warnsymptom hinweg belastet, kann der Schmerz zunehmen und auch über Ruhepausen anhalten. Sollten Sie solche Schmerzen bemerken, ist ein Orthopäde Ihr erster Ansprechpartner, um einen Ermüdungsbruch auszuschließen oder die richtigen Therapiemaßnahmen abzusprechen.  

Dieser wird sich zunächst im Arzt-Patienten-Gespräch nach Ihren Beschwerden und dem vermuteten Verletzungsmechanismus erkundigen. Besonders interessieren wird ihn, welche Sportart Sie betreiben, wie lange Sie die schon Schmerzen haben und wo genau diese lokalisiert sind. Anschließend wird er Sie körperlich untersuchen. Dabei wird er verschiedene Bewegungstests durchführen und die betroffene Stelle abtasten. Wegweisend sind dabei Schmerzen, die sich durch das Abtasten an der betroffenen Stelle auslösen lassen. Zudem können eine Schwellung, Rötung und Erwärmung sicht- und fühlbar sein. Eine Blutuntersuchung ist in der Regel nicht nötig, da normalerweise keine Laborveränderungen vorliegen.  

Eine entscheidende Rolle in der Diagnostik eines Ermüdungsbruchs bzw. stressbedingten Knochenfraktur spielen bildgebende Verfahren, da die klinische Evaluation meistens für die definitive Diagnose nicht ausreicht. Da eine Stressfraktur allerdings ein kontinuierlicher Prozess ist, sind die individuellen Befunde in der Bildgebung sehr variabel und sowohl vom Belastungsmuster des Knochens und der spezifischen Lokalisation als auch vom Zeitpunkt der Bildgebung abhängig. Die erste bildgebende Modalität ist oftmals die konventionelle Röntgenaufnahme. Typischerweise zeigt sich hier im frühen Stadium eine horizontal verlaufende und scharf begrenzte Aufhellungslinie. Dauert die Überlastung des Knochens weiter an, bildet sich eine klare Frakturlinie aus. Allerdings sind Ermüdungsbrüche oft erst mehrere Wochen nach der Verletzung auf Röntgenaufnahmen feststellbar.  

Sind die Röntgenaufnahmen folglich trotz Beschwerden unauffällig oder nicht eindeutig beurteilbar, kann die Diagnose zusätzlich durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) bestätigt oder ausgeschlossen werden. Stressreaktionen des Knochens zeigen sich hier als Knochenmarködem in Kombination mit einer Frakturlinie. Je nach Aufnahmemethode der Magnetresonanztomographie können Ödem und Fraktur unterschiedlich aussehen. 

Immer mit der Ruhe – die Behandlung von Ermüdungsbrüchen 

Die erste Maßnahme bei Verdacht auf einen Ermüdungsbruch ist die sofortige Entlastung der betroffenen Extremität und Ruhigstellung. In den meisten Fällen reicht dieses konservative Vorgehen auch zur Behandlung aus. Allein durch eine Sportpause lässt sich häufig eine deutliche Symptombesserung erreichen. 

 In ausgeprägten Fällen muss die Extremität zusätzlich beispielsweise durch Bandagen, Gipsverbände oder spezielle Entlastungsschuhe über drei bis vier Wochen ruhiggestellt werden. Zu Beginn können außerdem bei Bedarf Schmerzmedikamente wie Paracetamol eingenommen werden. In der Regel heilen Ermüdungsbrüche so innerhalb von vier bis sechs Wochen von selbst aus.  

In seltenen Fällen – wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht – kann eine operative Versorgung des Ermüdungsbruchs nötig sein. Dies kann beispielsweise mit einer sogenannten Marknagelung geschehen. Hierfür wird ein Nagel in den Markraum des Knochens eingebracht, um diesen zu stabilisieren.  

Wird das Training nach der abgeschlossenen Behandlung wieder aufgenommen, darf die Belastung nur langsam gesteigert werden. Regelmäßige Nachkontrollen sind bei einem Ermüdungsbruch nicht vorgesehen. Allerdings sind erneute Ermüdungsbrüche zu einem späteren Zeitpunkt nicht ungewöhnlich. 

Kann ich einen Ermüdungsbruch vorbeugen? 

Rund 60 % aller Patienten mit einer Stressfraktur haben im Laufe des Lebens eine erneute Stressfraktur. Daher sind verschiedene Präventionsmaßnahmen wichtig, um weitere Frakturen zu vermeiden. Betroffene sollten stoßdämpfende Schuhe tragen, intensives Training auf hartem Untergrund sowie eine übermäßig schnelle Steigerung der Trainingsintensität vermeiden. Eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D kann zur Prävention helfen. Gegebenenfalls kann auch eine Ganganalyse sinnvoll sein, um mögliche Fußfehlstellungen korrigieren zu lassen. 

Quellen

Referenzen: 

  • Aumüller, G., Aust, G., & Doll, A. (2010). Duale Reihe Anatomie (2. Aufl.). Georg Thieme Verlag KG. 
  • Renkawitz, T., Tingart, M., Beckmann, J., Kalteis, T., Grifka, J., Winkler, R. U., . . . Lorenz, K. Erkrankungen und Verletzungen von Hüftgelenk und Oberschenkel. Orthopädie und Unfallchirurgie, pp. 711-758. doi:10.1007/978-3-642-13111-0_27 
  • (2010). Kurzlehrbuch Chirurgie: 187 Tabellen (8., vollst. überarb. und erw. Aufl.). Stuttgart [u.a.]: Thieme. 
  • Bau, S., Maibaum, S., Graf, S., Braun, M., Kehl, S., Jagomast, B., . . . Wörns, C. (2013). Therapielexikon der Sportmedizin: Behandlung Von Verletzungen des Bewegungsapparates. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin / Heidelberg. 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Muskelfaserriss (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
  • https://flexikon.doccheck.com/de/PECH-Schema (zuletzt zugegriffen am 13.04.2022) 
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