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Coronaimpfung und Herzgesundheit

Der allgemeine Stand der Coronaimpfung und der Herzgesundheit

Zur Reduktion von schweren Verläufen, der Ansteckung sowie einer Infektion wurden Ende 2020 zum ersten Mal Impfstoffe gegen das Virus vorgestellt. Doch die Coronaimpfung hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Herzgesundheit.

Coronaimpfung und Herzgesundheit

Seit 2019 grassiert das Coronavirus SARS-CoV-2 in verschiedenen Varianten mit pandemischem Ausmaß. Eine Infektion mit dem Virus löst eine akute infektiöse Lungenerkrankung beziehungsweise ein akutes respiratorisches Syndrom aus.

Bei den meisten Betroffenen äußert sich eine Erkrankung durch Husten und Fieber sowie Schnupfen und Halsschmerzen. Es gibt aber auch Patienten, die unter einem schweren Verlauf leiden. Hierunter kommt es zu einer Lungenentzündung, die mit einer ausgeprägten Luftnot einhergehen kann.

Betroffene müssen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Da die Therapie, vor allem zu Beginn der Pandemie erschwert war, ist ein Verlauf mit Multiorganversagen bis hin zum Tod bei einigen Patienten möglich.

Die ersten und auch meist verimpften Vertreter sind die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna sowie der Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Trotz der großen Erfolge sind auch immer wieder Nebenwirkungen ein wichtiges Thema.

Besonders schwerwiegend ist dabei die Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung, die vor allem bei jungen Männern nach der zweiten Impfung auftritt. Wie häufig diese wirklich vorkommt wurde nun in einer Studie aus den USA untersucht.

Eine Studie zum Coronavirus bringt Licht ans Dunkeln

Von Dezember 2020 bis Oktober 2021 wurden Daten von mehr als 23 Millionen Geimpften von Forschern aus den USA ausgewertet. Dabei wurde vor allem untersucht, wie das Risiko von Geimpften ist, an einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung zu erkranken.

Im Rahmen dieser Studie wurde festgestellt, dass Herzprobleme nach einer Impfung vor allem junge Männer (Durchschnittsalter 36 Jahre) betreffen. Diese trafen im Durchschnitt 3,5 Tage nach der Impfung auf und betreffen vor allem die zweite Impfung.

Eine Herzmuskelentzündung wurden bei den knapp 23 Millionen Studienteilnehmern mit folgender Häufigkeit beobachtet:

  • Impfstoff von BioNTech/Pfizer
    • 105 Fälle nach der ersten Impfung
      • Davon traten 0,27 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Männern und 0,15 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Frauen auf
    • 115 Fälle nach der zweiten Impfung (0,67 Fälle/100.000 Impfungen)
      • Davon traten 0,67 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Männern und 0,09 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Frauen auf
    • Impfstoff von Moderna
      • 15 Fälle nach der ersten Impfung
        • Davon traten 0,33 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Männern und 0,05 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Frauen auf
      • 60 Fälle nach der zweiten Impfung
        • Davon traten 4,97 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Männern und 0,48 Fälle pro 100.000 Impfungen bei Frauen auf

Insgesamt waren also prozentual mehr Fälle nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Moderna zu beobachten. Eine Entzündung des Herzbeutels trat ebenfalls vermehrt bei Männern auf. Insgesamt traten bei Männern zwischen 16 und 24 Jahren 7,39 Fälle pro 100.000 Impfungen mit dem Impfstoff von Moderna auf. Frauen waren deutlich seltener betroffen.

Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass das Risiko zur Entwicklung einer Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung innerhalb von 28 Tagen besonders nach der zweiten Impfung mit einem mRNA Impfstoff höher ist, als ohne Impfung.

Hierbei war das Risiko nach der Impfung mit einem Impfstoff von Moderna höher als mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Grundsätzlich ist das Risiko jedoch trotzdem sehr gering und es sollte eine Abwägung bei der Impfung gegenüber den Risiken einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus erfolgen. Denn auch hier kann es zu einer Schädigung des Herzens auch zu einer Herzmuskelentzündung kommen.

Herzmuskelschädigung bei einer COVID-19-Erkrankung

Neben einem Befall der Lunge kann das SARS-CoV-2 Virus auch das Herz befallen. Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung konnte bei Proben von Patienten mit COVID-19 einen Befall der Herzmuskelzellen mit SARS-CoV-2 Viren nachweisen. Ein klinischer Hinweis für den Befall des Herzens ist ein Blutparameter, das sogenannte Troponin, das bei einigen Patienten mit COVID-19 angestiegen ist.

In den USA haben Forscher Sportler nach einer COVID-19 Erkrankung untersucht und bei 15 % in einer MRT Hinweise auf eine Entzündung des Herzmuskels gefunden. Auch Forscher der Universitätsklinik Frankfurt haben 100 Menschen nach einer symptomatischen COVID-19 Erkrankung mittels MRT untersucht und bei 78 Patienten eine Herzbeteiligung feststellen können. 60 Patienten zeigten Hinweise auf eine Entzündung des Herzens.

Forscher aus Dänemark untersuchten, inwieweit diese Schäden bestehen bleiben und konnten feststellen, dass in ihrer Studie nur 12 von 58 Patienten nach einem halben Jahr noch Veränderungen des Herzens im Sinne einer stark eingeschränkten Auswurfleistung zeigten.

Insgesamt zeigt sich jedoch, auch bestätigt durch eine Studie aus Israel, die 1,7 Millionen Menschen umfasst, dass das Risiko für eine Herzmuskelentzündung und bleibende Schäden des Herzens bei einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus höher ist, als das Risiko nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2.

Die Hintergründe einer Herzmuskelentzündung in Folge der Coronaimpfung

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kommt es zu einer Entzündung des Herzmuskelgewebes. Ursächlich sind vor allem Infektionen mit Viren oder Bakterien, es können aber auch Parasiten oder Pilze ursächlich sein. Diese dringen dann in die Zellen ein, was zu einer Zerstörung des Herzmuskelgewebes führen kann.

Eine Myokarditis kann jedoch auch nicht-infektiös auftreten. Auslöser können unter anderem Autoimmunerkrankungen, Alkohol- oder Drogenmissbrauch sowie physikalische Schäden der Herzmuskelzellen im Rahmen einer Bestrahlung sein. Ebenfalls kann die Entzündung nach einer Impfung mit COVID-19-mRNA-Impfstoffen auftreten. Der Verlauf der Erkrankung kann ohne Symptome, akut oder chronisch sein.

Eine Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis) folgt ähnlichen Prozessen, mit dem Unterschied, dass die bindegewebige Hülle des Herzens, die direkt an das Herzmuskelgewebe grenzt, betroffen ist. Die Entzündung kann akut und chronisch verlaufen. Beide Erkrankungen können auch ineinander übergehen. In diesem Fall spricht man dann von einer Perimyokarditis.

Das höchste Risiko für beide Erkrankungen haben Männer zwischen 20 und 50 Jahren.

Die Symptome einer Myokarditis sind sehr vielseitig. In der Mehrzahl der Fälle merken Betroffene nur unspezifische Beschwerden, wie Müdigkeit, Schwindel oder Symptome, die einem grippalen Infekt ähneln. Ein Drittel der Patienten leidet unter Schmerzen des Brustkorbes, bei Perikarditis kommt häufig ein Herzschmerz dazu. Bei schwereren Verläufen kann es zu einer Herzinsuffizienz sowie zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Diese fallen unter anderem durch Herzrasen und Herzstolpern auf.

Was Sie beachten müssen – die Therapie der Myokarditis

So individuell wie der Krankheitsverlauf ist, ist auch die Behandlung. Hier gibt es keine einheitliche Empfehlung und die Therapie wird individuell an die Schwere und den Verlauf angepasst. Patienten mit einem asymptomatischen Verlauf bedürfen keiner speziellen Therapie. Neben einer regelmäßigen Kontrolle sollte die körperliche Schonung erfolgen. Grundsätzlich ist nach einer Myokarditis unabhängig vom Verlauf die Vermeidung intensive sportlicher Aktivitäten etwa sechs Monate zu vermeiden und nur in Kontrolle mit dem behandelnden Arzt wieder aufzunehmen.

Betroffene, die unter Symptomen leiden, werden mit folgenden drei Zielen therapiert:

  • Stabilisierung der Pumpfunktion des Herzmuskels und Entlastung des Herzens durch Medikamente
  • Behandlung des Entzündungsprozesses
  • Verhinderung des Fortschreitens der Erkrankung

Die Prognose der Erkrankung ist gut. Bei über 70 % der Betroffenen heilt die Erkrankung nach circa zwei bis vier Wochen vollständig aus. In circa 25 % der Fälle kommt es jedoch zu einer dauerhaften Störung der Herzfunktion.

Quellen

Referenzen:

  • Herold, G. Innere Medizin. Ausgabe 2022. Köln: DeGruyter; 2022.
  • Karlstad Ø, Hovi P, Husby A, et al. SARS-CoV-2 Vaccination and Myocarditis in a Nordic Cohort Study of 23 Million Residents. JAMA Cardiol. 2022;7(6):600–612. doi:10.1001/jamacardio.2022.0583
  • Deutsche Herzstiftung, Herzmuskelentzündung: Was bei COVID-19 bekannt ist, unter: https://www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/coronavirus/corona-impfung-myokarditis (zuletzt aufgerufen 07.08.2022)
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