MRT mobil

Fußball verbindet . . . und ermöglicht Gesundheitsversorgung für alle

Mirjam Bauer und Michael ReiterDirekt hinter dem Eingang zur Nordtribüne des Fußballstadions Borussia Mönchengladbach steht ein rund 13 Meter langer Lkw-Anhänger. Verbunden ist er mit einer fest installierten Dockingstation bestehend aus vier Containern. Der Trailer beherbergt eine hochmoderne radiologische Untersuchungseinheit mit einem Magnetresonanztomografen (MRT). Über gut sieben Meter Breite erstreckt sich die gesamte Dockingstation, entwickelt von medneo – einem Anbieter mobiler und stationärer Radiologie – individuell für den Bedarf der Borussia. Schon beim Betreten wird der Besucher positiv überrascht: Nicht kalter Stahl, sondern ein ansprechendes Interieur hinterlässt bei den Untersuchungspatienten einen positiven Eindruck – mit liebevollen Details und warmen Farben statt kaltem Weiß am Empfang. Ein Warteraum, drei Kabinen und ein WC ergänzen den Eingangsbereich. Dahinter befindet sich das Büro des Radiologen Dr. Viet Truc Tran, der neben den Fußballern auch Privatpatienten und Selbstzahler im Raum Mönchengladbach behandelt. Insgesamt arbeiten hier fünf Personen von medneo, zeitweise ist der Mannschaftsarzt des Bundesligavereins vor Ort, um eine Spieleruntersuchung zu betreuen oder die Bilder mit dem Radiologen Dr. Tran und dem Spieler zu besprechen. Das im Trailer verbaute Philips Ingenia 1,5 Tesla hat sich als routinerobustes und hoch qualitatives Gerät erwiesen. Durch die direkte Zusammenarbeit vor Ort sowie die Möglichkeit, die Untersuchungen gemeinsam zu planen, durchzuführen, auszuwerten und stetig anzupassen beziehungsweise zu optimieren, ergänzt es die vorhandenen Strukturen sinnvoll und steht nicht in Konkurrenz zum Umfeld. Mit einer Öffnung von 70 Zentimetern bietet es einen hohen Patientenkomfort. Dank modernster Technik entstehen hochauflösende Bilder, die ideale Voraussetzung für eine optimale Befundung. Ein Zwei-Liegen-System in der Einheit sorgt für eine hohe Effizienz beim Patientendurchsatz.

Neue Möglichkeiten und Abwechslung für MTRA

Im Team in Mönchengladbach arbeiten viele MTA. So sitzt am Empfang, der auch für die Patientenvorbereitung sorgt, eine MTLA; in der Untersuchung wechseln sich mehrere MTRA ab. Die gelernte Laborassistentin Claudia kommt aus der Region und freut sich darüber, mit medneo auch an anderen Wirkungsstätten aktiv sein zu dürfen. Jeder kann sich freiwillig für andere Arbeitsorte melden; sie war letztens eine Woche in Berlin und profitiert insbesondere von den planbaren Arbeitszeiten. Die Bezahlung orientiert sich dabei am Markt. Die radiologischen Assistenzkolleginnen in Gladbach sind allesamt erfahrene Kräfte, die nach vielen Jahren in Kliniken und Schichtdiensten die verlässlichen Arbeitszeiten – ohne Nacht- und Wochenenddienste – im Trailer sehr schätzen. Auch die Möglichkeit, mehr herumzukommen und so andere Standorte, neue Kollegen und Geräte kennenzulernen, sind eine „angenehme Begleiterscheinung“. Ferner kommen meist mobile Patienten in den Trailer – anders als in den Kliniken mit oft bettlägerigen Patienten, die aufgrund von Umbettungen beispielsweise den Rücken der Mitarbeiter stark belasten.

Wichtige Unterschiede zum Klinikalltag

Ähnlich erging es auch dem Teammitglied Martina. Über 30 Jahre hatte sie als MTRA in einer Klinik gearbeitet. Besonders die Nachtdienste wurden ihr zu anstrengend; deshalb bewarb sie sich auf eine Stellenanzeige von medneo. Die offene Firmenkultur und die Möglichkeit zur Hospitation und Rotation – sprich: Weiterbildung in anderen Zentren und Kennenlernen neuer Geräte – gaben dabei den Ausschlag für ihren Wechsel. Inzwischen hat sie unterschiedliche Standorte mit verschiedenen Schwerpunkten und weiteren MRTGeräten kennengelernt. Das MRT hatte ganz oben auf ihrer Wunschliste gestanden; sie wollte die Bedienung schon länger erlernen. Heute schätzt sie den wichtigsten Unterschied zum Alltag in der Klinik: Es gibt im Trailer kaum Notfälle. Alles wird hier im Voraus geplant, die Arbeit ist viel besser einteilbar. Lediglich zu den Bundesligaspielen wechseln sich die Kolleginnen zur Bereitschaft (tagsüber am Wochenende) ab . . . für Fußballbegeisterte ist das eher ein Pluspunkt. Während der üblichen Öffnungszeiten der Station bleibt obendrein genug Zeit, sich mit den meist gehfähigen Patienten zu beschäftigen, man darf sich Zeit für sie nehmen. Möglich ist das aufgrund der Qualitäts- und Prozessoptimierung der Untersuchungen, die in Mönchengladbach eine hohe Entwicklungsstufe erreicht haben – und einen echten Mehrwert für Patienten, Ärzte und Mitarbeiter bieten. Ein weiterer Vorteil des Anbieters mobiler Radiologie sind die definierten Standardprozesse für alle Zentren. Ein eigenes Intranet bietet zudem die Möglichkeit zum Lernen zwischendurch, beispielsweise für die Rotation. In Mönchengladbach arbeitet Martina nun wieder mit einer Kollegin aus früherer Zeit zusammen und freut sich nicht nur auf eine professionelle und freundschaftliche Zusammenarbeit. Ein Wunsch für die Zukunft besteht für sie darin, mit den mobilen Geräten in strukturschwache Regionen zu reisen, um so direkt vor Ort die radiologische Versorgung zu verbessern.

Weiteres Personal vor Ort

Verantwortlich für das Team vor Ort ist Bettina Eitel vom medneo „Headquarter“. Die Betriebswirtin hat das Zentrum in der NRW-Großstadt mit aufgebaut und unterstützt so lange, bis alle Abläufe und die Organisation rundum richtig funktionieren. Derartige leitende Aufgaben können übrigens auch MTRA übernehmen. Die Einheit in Mönchengladbach steht seit Mai 2019, drei Patienten werden stündlich betreut. Dabei kommt ein Zwei-Liegen-System für mehr Effizienz zum Einsatz. – „Unser Konzept beinhaltet, kurzfristig an verschiedenen Standorten eine hochwertige Bildgebung bereitzustellen. Das passiert beispielsweise unter anderem bei Krankenhausumbauten“, so Eitel. „Wir sind dabei Dienstleister und stellen unsere Diagnostikplattform mit Infrastruktur, Mitarbeitern, Geräten und eigener IT zur Verfügung, auf die Kliniken, Ärzte und MVZ zugreifen können. Lediglich der Radiologe arbeitet selbstständig. Die Vergütung mit den Kunden erfolgt im ,Pay-per-Use-Modell‘. In Deutschland gibt es drei medneo-Trailer; jener in Mönchengladbach ist bis auf Weiteres fest installiert, zwei weitere sind unterwegs. Ferner gibt es feste Diagnostikzentren in einigen Innenstädten, die mit neuester Diagnostik ausgestattet sind.“ Fragt man die engagierte Macherin, warum sie sich für die Arbeit mit der Borussia entschieden hat, antwortet sie lächelnd: „Der Verein ist ein toller Partner, wir arbeiten viel mit dem Mannschaftsarzt zusammen. Natürlich hilft die Begeisterung für den Fußball . . . mir macht es sehr viel Freude. Die Optimierung der Sequenzen für den Spitzensport ist ja auch eine spannende Sache für alle Beteiligten.“ Schwerpunkte des MRT-Einsatzes in Mönchengladbach sind orthopädische Untersuchungen von Knie, Sprunggelenk und Wirbelsäule – und „alles, was beim Fußball anfällt“. „Unser Wunsch nach einem modernen MRT-Gerät im Stadion war trotz Neubau nicht umsetzbar, da die Flächen im Medical Park schon vergeben waren“, erinnert sich Dr. Ralf Doyscher, Mannschaftsarzt der Borussia Mönchengladbach. „Deshalb mussten wir für die Radiologie als Behelfslösung einen anderen Platz auf dem Gelände finden. Das Konzept von medneo mit Trailer und Dockingstation passte hier sehr gut, im Außengelände gab es noch nutzbaren Raum. Die Vorteile für mich als Mediziner sind dabei eine gute Bildgebung durch moderne Geräte, die bestmögliche Versorgung am Fußballplatz, hohe Qualität, kurze Wege und ständige Verfügbarkeit durch die hochflexible Nutzung aufgrund der Bereitschaftsdienste.“ Nach einer Verletzung eines Spielers bis zu dessen Versorgung im OP vergingen kürzlich mit MRT-Befundung unter 48 Stunden, und das während eines Bundesligaspiele-Wochenendes – „so etwas ist kaum zu toppen! Schließlich ist der teuerste Spieler der, der nicht spielt“, betont Dr. Doyscher. Seine weitere Planung sieht vor, die Kooperation mit medneo zu vertiefen und letztlich das mobile in ein festes Zentrum umzubauen, technisch noch zu erweitern und dieses auch noch zeitnah umzusetzen. Momentan sieht es ja recht gut für den Bundesligaverein aus, der sich seit Wochen an der Tabellenspitze aufhält...

Deutscher Ärzteverlag | MTA Dialog | 2020; 21 (2) | 135