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Herzmuskelentzündung: Symptome und Behandlung

Herzmuskelentzündungen können nicht nur schmerzhaft sein, sondern sind auch mit vielen Langzeitfolgen verbunden. Auch als Myokarditis bekannt, handelt es sich bei der Erkrankung um eine akute oder chronische Entzündung im Herzmuskel. Meistens bleibt die Entzündung einige Zeit unbehandelt, da die untypische Symptomatik eine frühzeitige Diagnose erschwert – und mit einem harmlosen Infekt verwechselt werden kann.

Ähnliche Beschwerden wie bei einem Herzinfarkt

Herzmuskelentzündungen verlaufen bei den meisten Patienten asymptomatisch. Zu den spezifischen Symptomen können jedoch langanhaltende Abgeschlagenheit, Luftnot und Brustschmerzen zählen. In vielen Fällen ist ebenfalls von Herzrhythmusstörungen berichtet worden. Insbesondere Personen, die einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einer vorausgegangenen Erkrankung (z.B. grippalen Infekt oder Magen-Darm-Infektion) erkennen, sollten ärztlichen Rat einholen. Diese Symptome können ebenfalls auftreten:

  • Gliederschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Kreislaufprobleme
  • Kopfschmerzen

Viren sind Hauptauslöser der Myokarditis

Grundsätzlich gibt es viele mögliche Auslöser für eine Herzmuskelentzündung. Allen voran sind Viren für 50 % der Fälle verantwortlich und gelten als häufigste Ursache. Aber auch Bakterien, Pilze und andere Parasiten können die Erkrankung auslösen. In einigen Fällen sind auch medikamentöse Überempfindlichkeits- und Autoimmunreaktionen Gründe für das Entstehen der Myokarditis.

Bei Verdacht sofort zum Facharzt

Bevor eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert werden kann, müssen eine oder mehrere ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden. Häufig fragt der Arzt nach auffälligen körperlichen Änderungen bzw. Beschwerden. Anschließend sucht der Behandelnde nach eindeutigen Hinweisen in der Krankengeschichte des Patienten. Sollte nach der Anamnese ein Verdacht auf Myokarditis bestehen, muss der Patient bei einem Kardiologen bzw. Facharzt für Herzkrankheiten vorstellig werden.

Körperliche Anzeichen können Aufschluss geben

Insbesondere die Untersuchung des Körpers kann einen Verdacht auf Herzmuskelentzündung auslösen oder festigen. Häufig werden Blutdruck, Körpertemperatur und Herzfrequenz untersucht und sorgfältig dokumentiert. Aber auch das Abhören der Lunge sowie des Herzens mittels Stethoskops gibt Aufschluss über eine mögliche Myokarditis. Die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung dienen klassischerweise als Grundlage für weitere medizinische Tests.

Auch normale Blutwerte entwarnen nicht

Um eine Entzündung im Körper nachzuweisen, kann eine Laboruntersuchung des Blutes vorgenommen werden. Im Zuge einer Blutabnahme werden verschiedene Werte, u.a. die sog. Entzündungswerte, ermittelt. Zusätzlich kann über Blutuntersuchung nachvollzogen werden, ob die Erkrankung durch Bakterien oder Viren verursacht wurde.

Erkennung der Erkrankungsphase durch medizinische Bildgebung

Sind die Blutwerte eindeutig über den Normalwerten, erfolgt in der Regel eine Ultraschalluntersuchungen des Herzens. Dabei werden die Pump- und Herzklappenfunktionen des Organs begutachtet. Zusätzlich wird das Herz auf mögliche Wandbewegungsstörungen und Flüssigkeitsansammlungen (sog. Perikardergüsse) untersucht, die auf eine Myokarditis hinweisen könnten. Insbesondere die Schwere der Herzmuskelentzündung kann mithilfe der Ultraschalluntersuchung zuverlässig ermittelt werden.

Auch die Kardio-MRT ist inzwischen ein fester Bestandteil der Diagnostik von Herzmuskelentzündung. Man findet örtlich im Herzmuskel Schwellungen, Gewebszerstörungen oder Vernarbungen. Der zu behandelnde Patient erhält dabei über eine Vene eine kleine Menge des Kontrastmittels Gadolinium. Dessen Verteilung im Herzmuskel erlaubt es, die Schäden zu beurteilen.

Da beim MRT keine Röntgenstrahlung zum Einsatz kommt, eignet sich das Verfahren auch zur Verlaufskontrolle bei der Behandlung.

Zusätzliche Herzschläge sind typisch

Durch das Elektrokardiogramm (EKG) können weitere unspezifische Veränderungen des Herzens deutlich gemacht werden. Zu diesen Veränderungen zählen häufig zusätzliche sowie schnellere Herzschläge, die wiederum als Entzündungsmerkmal gedeutet werden können. Das EKG bietet zusätzlich den Vorteil, dass eine mögliche Entzündung meist sehr genau im Herzen lokalisiert werden kann.

Früher wurde strikte Bettruhe verordnet

Heutzutage richtet sich die Wahl der Therapie nach dem individuellen Krankheitsverlauf. Aber auch die auslösende Ursache der Herzmuskelentzündung wird bei der Behandlung berücksichtigt. In beinahe allen Fällen gilt eine konsequente Schonung für einen Zeitraum von 3-6 Monaten. Während dieser Zeit sind belastende körperliche Aktivitäten strikt zu vermeiden.

Seltener kann eine stationäre Überwachung und Behandlung der Myokarditis sowie ein temporärer Herzschrittmacher erforderlich sein. Um das Herz bei der Genesung zu entlasten und die Pumpfunktion zu unterstützen, können manchen Patienten Betablocker und ACE-Hemmer verschrieben werden.

Sport muss dringend vermieden werden

Bei der Herzmuskelentzündung gilt ein Sportverbot für mindestens 3-6 Monate – sonst drohen lebenslange Schäden am Herzen oder plötzlicher Herztod. Jegliche Form von zusätzlicher Belastung verschlimmert die Myokarditis und vergrößert die Chancen für einen Rückfall. Grundsätzlich muss keine Bettruhe verordnet werden, je doch gelten Betroffene in den Akutphasen als arbeitsunfähig und schonungspflichtig. Wann eine Vollbelastung nach Genesung möglich ist, sollte in ärztlicher Rücksprache entschieden werden.

 

PD Dr. Mark Luedde 

Dr. med. Mark Lüdde, MHBA
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

Interventioneller Kardiologe, klinischer Wissenschaftler, besonderes Interesse an kardialer Bildgebung und Herzinsuffizienz

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