Sprache
[wpml_language_selector_widget][/wpml_language_selector_widget]

MRT Leber und Gallenwege

Stoffwechsel und Entgiftung – MRT Leber und Gallenwege

Mit dem MRT der Leber und Gallenwege ist es möglich mit funktioneller Technik die Bildgebung der Wahl zur gezielten Abklärung der diffusen Leberpathologien zu ermitteln.

MRT Leber und Gallenwege

Die Leber ist ein keilförmiges Organ im rechten Oberbauch. Als größte Drüse des menschlichen Körpers ist sie das zentrale Organ des menschlichen Stoffwechsels. Die Leber wird in vier Lappen eingeteilt, die in acht funktionelle Untereinheiten gegliedert werden. Innerhalb der Leber finden sich neben den spezifischen Leberzellen mehrere Gefäße.

Zum einen Arterien zur Blutversorgung und Venen zum Blutabfluss. Zusätzlich gibt es aber auch ein zweites Venensystem, dass von der sogenannten Pfortader stammt. Diese werden von nährstoffreichem Blut durchflossen, das aus einigen Bauchorganen stammt.

Weiterhin sind kleine Gallengänge zu finden, die die in der Leber produzierte Galle sammeln und Richtung Gallenblase beziehungsweise direkt in den Zwölffingerdarm transportieren.

Zu den Hauptaufgaben der Leber gehören:

  • Energiestoffwechsel durch den Abbau von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen
  • Bildung von Zucker, Ketonkörpern, Cholesterin, Fetten, Gerinnungsfaktoren und Gallensäuren
  • Regulation des Blutzuckers und Säure-Base-Haushaltes
  • Speicher von Fetten, Zuckern, Vitaminen und Spurenelementen
  • Entgiftungsfunktion durch den Abbau von Ammoniak, Medikamenten, Alkohol und Giftstoffen

Krankhafte Veränderungen ersichtlich durch MRT Leber und Gallenwege

Im System von Leber und Gallenwegen kann es zu verschiedenen krankhaften Veränderungen kommen. Zu diesen gehören:

  • Leberentzündung (Hepatitis)
    • Eine Entzündung der Leber (Hepatitis) kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann sowohl durch Viren oder Bakterien, aber auch durch Parasiten, übermäßigen Alkoholkonsum, Stoffwechselerkrankungen oder im Rahmen einer Fettleber entstehen. Je nach Ursache der Hepatitis kann diese spontan ausheilen oder auch in eine chronische Form übergehen, bei der es im Verlauf zur Schädigung des Lebergewebes kommt
  • Fettleber (Steatosis)
    • Die Fettleber ist eine krankhafte Veränderung, bei der es zu einer übermäßigen Einlagerung von Fetten im Lebergewebe kommt. Ursächlich können Stoffwechselerkrankungen, Hepatitis C, Übergewicht, übermäßige Medikamenteneinnahme oder Alkoholkonsum sein. Je nach Ursache kann sie mit Medikamenten zur Ausheilung gebracht werden oder in chronische Krankheitsbilder wie einer Leberfibrose oder Leberzirrhose übergehen
  • Leberfibrose
    • Bei einer Leberfibrose kommt es zu Umbauvorgängen in der Leber, bei der Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt wird. Ursachen können eine chronische Virushepatitis, Fettleber, Toxine (wie bspw. Alkohol), Leberstauung oder auch ein länger anhaltender Gallenstau sein. Die Erkrankung kann nicht geheilt, sondern nur gestoppt werden. Gelingt dies nicht, geht die Erkrankung in eine Leberzirrhose über.
  • Leberzirrhose
    • Als Leberzirrhose wird die chronische Zerrstörung des Lebergewebes durch eine entzündliche Fibrose bezeichnet. Ursachen gleichen denen der Leberfibrose. Im Verlauf der Erkrankung verliert die Leber immer mehr an Funktion. Auch die Leberzirrhose ist nicht heilbar. Ziel der Therapie ist das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
  • Raumforderungen
    • Raumforderungen der Leber können sowohl gutartig (wie bspw. Hämangiome, Adenome, Leberzysten und fokale noduläre Hyperplasien) aber auch bösartig sein (Metastasen anderer Tumoren, Hepatozeluläres Karzinom, Lymphome, Cholangiokarzinom)
  • Gallenaufstau (Cholestase)
    • Als Cholestase bezeichnet man eine Störung der Gallenbildung, Gallesekretion sowie Störungen des Gallenabflusses. Letztere können sowohl die Gallenwege innerhalb der Leber, als auch außerhalb der Leber betreffen
  • Veränderungen der Gallenwege
    • Die Gallenwege können sowohl entzündlich als auch tumorös verändert sein. Weiterhin können sie durch sogenannte Gallensteine verlegt sein

MRT Darstellung der Leber und Gallenwege

Die MRT ist aufgrund des guten Weichteilkontrastes, leberspezifischem Kontrastmittel (mehr dazu unten). Sie kommt sowohl in der Erstdiagnostik als auch in der Verlaufskontrolle zum Einsatz. Sie kommt unter anderem zum Einsatz bei:

  • Leberzirrhose: neben der normalen MRT ist hier auch eine MR-Elastographie möglich, die als genauestes, nichtinvasives Verfahren zur Beurteilung einer Leberfibrose zum Einsatz kommt
  • Steatosis: mittels MRT kann durch verschiedene technische Ansätze die Leberfettbestimmung erfolgen. Zu diesen Ansätzen gehören unter anderem die MR-Spektroskopie sowie die PDFF-Technik.
  • Bestimmung der Lebereisenkonzentration: bei Erkrankungen, die zu einer Eisenüberladung führen (bspw. Hämochromatose) ist die MRT eine einfache, weit verbreitete und gut reproduzierbare Technik zur Quantifizierung der Eisenkonzentration innerhalb der Leber
  • Leberläsionen und Raumforderungen: durch den hohen Weichteilkontrast und die diffusionsgewichtete Bildgebung ist die MRT das Verfahren der Wahl um eine Differenzierung von Leberläsionen zu ermöglichen. Bei einem hepatozellulären Karzinom ist bereits durch eine MRT-Untersuchung mit Kontrastmittel eine Abschätzung des Ausbreitungsgrades möglich. Ebenfalls ist eine Beurteilung des Therapieansprechens und dadurch auch eine prognostische Einschätzung möglich

Die MRCP

Die MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie) ermöglicht eine nichtinvasive Darstellung der Gallenwege innerhalb und außerhalb der Leber. Im Gegensatz zu anderen Verfahren, die die Gallenwege darstellen, ist hier kein Kontrastmittel nötig. Sie kommt insbesondere zum Einsatz um Steine in den Gallenwegen, Tumoren der Gallenwege sowie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse zu beurteilen.

Die MRT Untersuchung der Leber und Gallenwege

Die MRT-Untersuchung der Leber dauert etwa 30 bis 40 Minuten und erfolgt in Rückenlage. Um eine optimale Bildqualität sicherzustellen ist es nötig, dass Sie während der Untersuchung ruhig liegen. Weiterhin ist es von Vorteil, wenn sie circa 8 Stunden vor der Untersuchung nüchtern bleiben. Eine genaue Zeitdauer teilt Ihnen der behandelnde Arzt im Vorgespräch mit.

Sobald die Untersuchung startet, werden Sie fußwärts mit der Liege in das MRT Gerät gefahren. Je nachdem wie groß Sie sind, befindet sich auch ihr Kopf in der MRT Röhre. Leiden Sie unter Platzangst können Sie kurz vor der Untersuchung ein niedrig dosiertes Beruhigungsmittel in Absprache mit den behandelnden Ärzten bekommen. Auch ist eine offene MRT Untersuchung gegebenenfalls möglich. Diese wird jedoch nicht von allen Krankenkassen übernommen. Die Preise für Selbstzahler variieren je nach Verfahren und Einsatz von Medikamenten und starten ab circa 600€.

Da die MRT während einer Untersuchung laute, rhythmische Klopfgeräusche produziert, erhalten Sie Ohrenstöpsel oder Kopfhörer um diese zu dämpfen. Um die bestmöglichste Bildqualität zu sichern sollten Sie so still wie möglich liegen. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Sollte es doch zu Problemen kommen, können Sie jederzeit eine Notfallklingel betätigen. Außerdem stehen Sie über Video mit den medizinisch-technischen Radiologieassistenten in Kontakt.

Mehr Kontraste: Der Hintergrund des Kontrastmitteleinsatzes

Zur Beurteilung ob Leberläsionen gutartig oder bösartig sind ist die Nutzung von Kontrastmittel oft hilfreich. Da die unspezifischen Standard Kontrastmittel eine korrekte Charakterisierung oft nur limitiert ermöglichen, gibt es leberspezifisches Kontrastmittel, das eine spezielle Anfärbung einer Vielzahl von Leberläsionen ermöglicht. Zu diesen gehören:

  • Gadolinium basierende bimodale Kontrastmittel
    • Beim Einsatz dieser Kontrastmittel kann aufgrund der phasenweisen Aufnahme eine zweite Aufnahme nach circa 60 min notwendig werden
    • Neben des Lebergewebes ist auch eine Kontrastierung der Gallenblase und Gallenwege möglich
  • Mangafodipir Trisodium
    • Dieses Kontrastmittel basiert auf Mangan. Es muss langsam über einen Zeitraum von 10 bis 20 Minuten injiziert werden. Es ist besonders hilfreich bei der Unterscheidung zwischen lebereignen Tumoren und Metastasen
  • Retikuloendotheliale Kontrastmittel
    • Diese auf Eisen basierende Kontrastmittel sind vor allem für die Differenzierung von gutartigen und bösartigen Lebertumoren vorteilhaft. Je nach verwendetem Stoff ist ebenfalls eine langsame Infusion nötig, die bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen kann

Die Gabe von Kontrastmitteln erfolgt über einen venösen Zugang, der Ihnen vor der Untersuchung gelegt wird. In der Regel wird dann während der Untersuchung das Kontrastmittel injiziert.

Für die Verwendung von Kontrastmittel müssen im Vorhinein die Nierenfunktion mittels einer Laboruntersuchung geprüft werden, da einige Kontrastmittel die Nieren schädigen. Kontrastmittel, die während einer MRT-Untersuchung zum Einsatz kommen weisen potenziell jedoch weniger Nebenwirkungen als Röntgenkontrastmittel auf. Sie lösen kaum Allergien aus und schädigen die Niere weniger.

Ob ein Kontrastmittel bei Ihnen benötigt wird, wird der behandelnde Arzt mit Ihnen besprechen.

Quellen

Referenzen:

  • Reiser M, Kuhn F, Debus J, Hrsg. Duale Reihe Radiologie. 4. vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017.
  • Aumüller G, Aust G, Engele J, Kirsch J, Maio G, Duale Reihe Anatomie. 5. Vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.
  • https://aristra.de/untersuchungen/mrt-leber-und-gallenwege/ (zuletzt zugegriffen am 05.08.2022)
  • J. Budjan, S. O. Schoenberg, U. I. Attenberger; CT und MRT der Leber: wann, was, warum?; Die Radiologie, Ausgabe 05/17; SpringerMedizin.
  • Ba-Ssalamah, A. et al; MRT der Leber - Klinische Bedeutung nichtspezifischer und leberspezifischer MRT-Kontrastmittel; Die Radiologie, Ausgabe 12/2004; SpringerMedizin.
  • Herold, G. Innere Medizin. Ausgabe 2022. Köln: DeGruyter; 2022.
crossmenumenu-circlecross-circle